Das Ende des Wachstums?

Zugegeben: Das ist sicher eine markige Ansage, die es zu belegen gilt. Dafür gibt es nicht den „einen“ Beweis, sondern eine Kette von Indizien.

Die letzten 100 Jahre

Das Wachstum der letzten 100 Jahre in der westlichen Welt ist hauptsächlich einem einzigen Faktor zu verdanken, den es in der Geschichte der Menschheit noch nie gab: Die weltweite Bevölkerung von etwa zwei Milliarden Menschen um das Jahr 1920 wird in naher Zukunft auf acht Milliarden Menschen ansteigen. Natürlich spielen auch neue Technologien eine Rolle. Für Wachstum ist jedoch die Zahl der kaufkräftigen Konsumenten entscheidend. Je mehr davon, umso besser.

Hauptsächlich in Afrika und Teilen Asiens wird die Weltbevölkerung weiter wachsen. Aber alle „reifen“ Gesellschaften wie diejenigen Europas verlieren auf Grund des Ergrauens ihrer Bevölkerung diesen Vorteil. Der Anteil der dort nicht mehr produktiv Aktiven steigt massiv. Die Erwerbstätigen der letzten 3 – 4 Generationen hielten durch ihre Arbeit, ihr Einkommen und ihren Konsum den vergangenen Wirtschaftsboom aufrecht. „Aus sich heraus“, also ohne globale Vernetzung, können reife Volkswirtschaften nicht wachsen, sondern schrumpfen eher. Aus diesem Grund wurden im Rahmen der Globalisierung Osteuropa und Asien, insbesondere China, zu begehrten Absatzmärkten. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der entwickelten Volkswirtschaften schwächt sich dennoch stetig ab.

Wie ist die Lage?

Schon jetzt sind Unternehmen zu ständigen Produktinnovationen gezwungen, weil ein harter Wettbewerb herrscht und die Grundbedürfnisse der Konsumenten längst gedeckt sind. Die voll entwickelten Volkswirtschaften arbeiten somit nahe an Sättigungsschwellen. Das führt dann zu letztlich logischen, aber unsinnigen Lösungen wie dem luftdichten Verpacken von 100 Gramm/wenigen Scheiben Wurst. Eine winzige Menge für den schnellen Verzehr, während das Plastik der Verpackung die Umwelt langfristig belastet. Es gibt Stimmen, die behaupten, der in den Weltmeeren angesammelte Plastikmüll würde bald die Menge der dortigen Biomasse (Fische, Pflanzen etc) erreichen. Im Grunde ist dies ein Akt der Selbstsabotage oder gar Selbstzerstörung der Menschheit.

Laut einer gemeinsamen Studie der Universität Mexiko mit der Stanford University aus den USA steht das 6. Massenaussterben der irdischen Lebewesen bevor. In den letzten 40 Jahren seien, so die Forscher, etwa die Hälfte der Tierwelt auf der Erde vom Menschen ausgerottet worden. Möglicherweise entzieht sich die Menschheit durch kollektive Dummheit gerade selbst die Lebensgrundlage.

Guter oder schlechter Kapitalismus?

Ich sehe den Kapitalismus grundsätzlich positiv, denn nur diesem haben wir alle unser bisheriges angenehmes Leben und Wohlstand zu verdanken. Überproduktion, Fehlallokation, Umweltverschmutzung, Artensterben und auch die ungleiche Verteilung des weltweiten Reichtums stehen jedoch für die negativen Folgen eines ungehemmten Kapitalismus. Derzeit wird dieser hauptsächlich durch die niedrigsten Zinsen aller Zeiten am Leben erhalten. Die massive Flutung der Märkte mit Zentralbankgeld hat aber nicht zu weiteren Investitionen geführt, sondern lediglich die Schulden sind gestiegen. Diese säkulare Stagnation  https://mayconsult.wordpress.com/2014/08/21/das-grose-experiment/   dürfte viele Jahre weiter anhalten, denn sowohl Private als auch Staaten verkraften höhere Zinsen nicht mehr.

Wir – mündige Bürger, kluge Kaufleute und verantwortungsvolle Politiker -sollten uns daher unbedingt Gedanken über neue Wege machen. Die Zeiten des Wachstums gehen trotz oder gerade wegen der neuen Technologien, die bezahlte Arbeitsplätze in der Summe verdrängen, zu Ende.  Auch staatliche Interventionen oder Subventionen bringen keine langfristigen Erfolge mehr hervor, sondern erhöhen nur die staatliche Verschuldung. Diese wiederum führt unweigerlich dazu, dass der Staat seinen Bürgern tiefer in die finanziellen Taschen greift.

In alternden und reifen Gesellschaften dürfte auch Gründer- und Unternehmertum aus Selbstmotivation deutlich abnehmen. Die Zahl der privaten und unternehmerischen Steuerzahler düfte daher tendenziell sinken und die Sozialsysteme bedrohen.

Der Wandel kommt. Schaffen unsere Gesellschaften dies auf einem evolutionären Weg oder nur durch eine ungesteuerte, zerstörerische Revolution, die viel Unheil in sich bergen düfte, Ausgang unbekannt?

Demokratie funktioniert nur, wenn Vertrauen in diese und deren Institutionen besteht. Geht dieses Vertrauen verloren, dürfte dies für die innere Verfasstheit und Stabilität demokratischer Staaten dramatisch schlechte Auswirkungen nach sich ziehen.

Fangen wir mit dem Nachdenken und Ausprobieren neuer Wege an.

Michael May

(wird fortgesetzt)

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