Margen in Not

Anfang des Jahres befasste ich mich in diesem Blog mit dem Druck auf die Margen, der die Ertragslage vieler Branchen belastet   https://mayconsult.wordpress.com/2014/02/04/bedrohung-schrumpfende-margen/

Es zeigt sich aktuell, dass dieser Druck weiter zunimmt und auch bisher noch gut verdienende Branchen erreicht. Im August sind die Aufträge für die deutsche Industrie um 5,7 Prozent eingebrochen. Siemens erzielte in den letzten Jahren eine Umsatzrendite von 20 Prozent im Bereich der Gasturbinen. Vorbei. Aber auch anderen klassischen Industrien, in denen Deutschland stark ist, droht Ungemach. Mehr hier:   http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunktur-in-deutschland-absturz-in-sicht-1.2164424

Interessant in diesem Zusammenhang scheinen mir Aussagen von Ökonomen, die sich mit der Zukunft der Arbeit befassen. So meint der Ökonom und Autor Jeremy Rifkin, dass in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, die immer mehr produziert, die Preise laufend fallen, bis kein Gewinn mehr abfällt. Was bedeutet das? Egal, ob man 10.000 oder eine Million eines Produkts herstellt, die Kosten für jede zusätzlich produzierte Einheit liegen nach seiner Meinung bei fast bei Null. Doch ohne Grenzkosten verdienen Unternehmen nichts mehr. Fabrikarbeiter werden durch Roboter ersetzt und arbeitslos. Ohne Gewinn besteht für Unternehmer kein Anreiz mehr, unternehmerisch tätig zu werden.

Nun werden manche Dinge nicht so heiß gegessen wie sie gekocht werden. Es ist derzeit schwer vorstellbar, dass eine komplexe Gasturbine zukünftig im losen Verbund von freelancern entworfen und dann in 3D gedruckt wird. Auch für den 3D-Druck werden Ressourcen benötigt wie Energie, Metalle oder Kunststoffe. All das muss produziert und beschafft werden und kostet Geld. Ob das individuelle 3D-Produkt tatsächlich günstiger hergestellt werden kann als in einer Fabrik muss auch erst bewiesen werden.

Es geht jedoch um grundsätzliche Entwicklungen. Tendenziell werden Produkte günstiger werden, während gleichzeitig die Zahl der Personen, die eigene Herstellung betreiben können, wachsen wird. Internet und 3D-Druck machen es möglich. So gehen die Margen tendenziell massiv zurück und Gewinne machen nur noch große Plattformen, die Anbieter und Nutzer zusammenbringen.

Böser Kapitalismus?

Man könnte eine solche Entwicklung beklagen, aber bekanntlich hilft das nicht viel. Die Frage ist, was man als Einzelner oder als Unternehmer/Unternehmerin dagegen tun kann. Derzeit rufen viele selbsternannte Propheten das Ende des Kapitalismus aus. Ich zweifle daran, denn Kapitalismus ist an sich nicht schlecht. Schließlich verdanken wir gerade dem oft verleumdeten Kapitalismus viele unserer heutigen technischen Errungenschaften und unseren allgemeinen Wohlstand.

Wer sind denn die ‚bösen Kapitalisten‘ eigentlich? Etwa Freiberufler, Selbstständige oder mittelständische Unternehmer, die Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen? Wohl kaum. Ich meine im Gegenteil, dass es kaum noch Kapitalismus gibt, da die wahre Macht in wenigen großen Händen konzentriert ist, bei Großkonzernen und Großbanken. Dadurch werden Marktmechanismen eher ausgeschaltet, kleine Wettbewerber klein gehalten und dauerhafte Machtpositionen geschaffen. Das ähnelt ein wenig dem Verhalten früherer Königshäuser, deren Familien untereinander heirateten, um stabile Verhältnisse zu schaffen. Dazu gibt es eine schöne Grafik in FOCUS Online: diese Konzerne beherrschen die welt

Aber auch viele Staaten haben über die Jahre gigantische Umverteilungssysteme entwickelt und ‚regulieren‘ in ihrem Sinn und aus purem Eigeninteresse, ohne Rücksicht auf breite Teile der Unternehmen. Frankreich und Italien liefern anschauliche Beispiele dafür.

Machtkonzentration bei relativ wenigen Marktteilnehmern und staatlicher Sozialismus bestimmen derzeit maßgeblich unser kapitalistisches System.

Sind Non-Profit-Organisationen die Lösung?

Sicher wird der Anteil solcher Unternehmen und Organisationen ansteigen. Letztlich wird aber eine Frage das Leben eines jeden bestimmen:

Wie erreiche ich ein Einkommen, von dem ich leben und meine Rechnungen, Krankenkasse und so weiter begleichen kann?

Nur die Organisationsformen, die diese Frage beantworten und erfüllen werden schließlich für den Einzelnen entscheidend sein. Unternehmen und Organisationen, die nichts verdienen werden auch keine Mitarbeiter/innen einstellen. Auch Non-Profit-Organisationen müssen soviel verdienen, dass sie die Löhne und Gehälter ihres Personals bezahlen können. Klappt das nicht, so werden viele von diesen schnell wieder verschwinden, denn dauerhafte Selbstausbeutung ist nicht sexy. Auf die Hoffnung, der Staat werde wie bisher bei vielen Projekten Transferzahlungen leisten, würde ich nicht zählen. Dieser dürfte sich zunehmend von Leistungen trennen, um seinen eigenen Apparat (u.a. Pensionslasten) aufrecht zu erhalten und seinen gesetzlichen Pflichten nachzukommen. Exemplarisch sieht man dies aktuell bei den meisten deutschen Kommunen, die Abgaben erhöhen und Leistungen einschränken werden.

Was bleibt also?  Da wir als Einzelne nur wenig Einfluss auf diese Entwicklungen haben dürfte vermutlich die allgemeine Unsicherheit über das berufliche Leben zunehmen. Weiterhin werden gerade jetzt kluge, innovative und mutige Menschen gebraucht, um die beschriebenen Verkrustungen in Wirtschaft und Politik aufzubrechen. Optimistisch kann stimmen, dass die meisten selbsternannten Propheten irrten und sich Wege öffnen werden, die derzeit noch nicht erkennbar sind. Letztlich dürften sinkende Margen den menschlichen Erfindungsgeist anspornen, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln, aber auch die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Vielleicht ist gerade diese Entwicklung eine gute Chance, den Wert eines Menschen nicht an seinem Beruf und seinem Einkommen festzumachen, wie das heutzutage immer noch allgemein üblich ist. (Fortsetzung folgt)

Michael May

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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