Unterschiede unternehmerischer Philosophien

Das Magazin Harvard Business Manager schreibt: Deutschlands Tüftler sind Weltklasse: Warum die Innovationsleistung deutscher Ingenieure besser ist, als die in den USA.

Zitat: In Fachgebieten wie nachhaltige Energiesysteme, Biotechnologie, Laser und experimenteller Softwareentwicklung haben deutsche Forscher weltweit die Nase vorn. Noch bedeutsamer ist: Die Deutschen können Erfindungen besser in die Wirtschaftswelt übertragen als die USA. Viele der Innovationen hauchen auch alten Produkten und Prozessen neues Leben ein und geben ihnen moderne Fähigkeiten.

Deutsche Erfinder gibt es ohne Ende. Genannt seien hier nur Rudolf Diesel, Werner von Siemens oder Konrad Zuse. Weniger bekannt sind etwa Ottomar Heinsius von Mayenburg, der 1907 die Zahnpasta erfand. Adolf Rambold erfand im Jahr 1929 den Teebeutel. Wussten Sie, dass Rudolf Hell 1951 den ersten Scanner entwickelte, kein amerikanisches Unternehmen? Artur Fischer erfand 1958 den Dübel, ohne den manche Wand leerer aussehen würde. 1969 erfanden Jürgen Dethloff und Helmut Gröttrup die Chipkarte. 1987 entwickelte das Fraunhofer-Institut das MP3-Format, ohne das der schnelle Zugriff auf Musikdateien nicht möglich wäre. Sie alle setzten das große Erbe eines Johannes Gutenberg oder Gottlieb Daimler fort.

Natürlich hören wir alle sicher gern viel Gutes über deutsche Ingenieurskunst. Schließlich ermöglichen erst solche Leistungen neue Produkte, neue Märkte und damit mehr Umsatz und Beschäftigung.

Der Wermutstropfen

Die großen Umwälzungen stammen dennoch nicht aus Deutschland:
Amazon, Google, Facebook, Apple und Co kommen aus den USA. Sie revolutionieren gerade den Markt der Daten. Weiterhin kaufen diese Unternehmen jede Menge kleinerer, innovativer Unternehmen auf, denn ihre Geldbeutel sind prall mit vielen Milliarden gefüllt. Es geht ihnen, so meine ich, um beherrschende Stellung und letztlich Kontrolle. Das scheint mir auch der entscheidende Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmenslenkern zu sein:

Deutsche Unternehmen wollen Produkte verbessern und so den Lebensstandard ihrer Kunden ebenfalls angenehmer gestalten. Es geht ihnen um möglichst zuverlässige und ausgefeilte Produkte und nicht mehr.

Bei manchem amerikanischen Unternehmen scheint das anders zu sein: Möglicherweise will man dort die Welt grundlegend verändern, ohne zu ahnen, wie diese zukünftige Welt aussehen könnte. Deren Gründer wollen nicht nur Produkte verbessern oder neu entwickeln. Sie verfolgen schon fast missionarische Gedanken wie etwa die Schaffung des perfekten, nahezu unsterblichen Menschen und, wenn das nicht klappen sollte, die Schaffung des perfekten intelligenten Roboters, der uns möglicherweise ersetzen kann. Kollateralschäden werden ausgeblendet.

Die Philosophien und Strategien der erfolgreichen deutschen Konzerne und des deutschen Mittelstandes unterscheiden sich daher aus meiner Sicht diametral von denen der großen amerikanischen Unternehmen.

Michael May

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