Unternehmen im Dauerstress Teil 4

Ursprünglich ging es mir in den ersten 3 Beiträgen zum Thema Dauerstress in Unternehmen um die massiven Veränderungen, denen Unternehmen derzeit unterliegen. Wie meinte Professorin Rita McGrath, Autor von ‚The End of Competitive Advantage‘ so zutreffend: „The Pace of TechnologyAdoption is Speeding up“. Genauso ist es. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen hat gerade in den letzten 4-5 Jahren fast unglaublich an Fahrt gewonnen. Google kauft derzeit schon nahezu im Monatstakt neue Unternehmen. Facebook hat im Jahr 2012 für die Firma Instagram eine Dreiviertelmilliarde Dollar hingelegt. Instagram ist ein Fotodienst, der zum Zeitpunkt des Kaufes durch Facebook ganze 13 Menschen beschäftigte. Mittlerweile haben sogar die ganz großen Autohersteller Bedenken, dass die großen Datensammler und -vernetzer irgendwann das eigene Geschäft übernehmen könnten.

Mittlerweile bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass der Titel dieser kleinen Reihe nicht zutreffend gewählt war. Zwar geht es weiterhin um Unternehmungen aller Art. Noch spielen Menschen die Hauptrolle darin – mit abnehmender Tendenz. Eher zutreffend ist folgende Überschrift:

Menschen im Dauerstress

Es ist paradox. Erstmals seit Menschengedenken läuft die Menschheit auf einen eigentlich traumhaften Zustand zu. Immer mehr Arbeit wird von Maschinen und Robotern übernommen. Gleichzeitig werden immer weniger Menschen zur Produktion von Nahrungsmitteln und Konsumgütern oder Dienstleistungen aller Art benötigt. Diese erhalten somit jede Menge freie Zeit, in der sie ihren eigenen Interessen oder Hobbys nachgehen könnten. Diese Gleichung geht aber nicht auf, da nur die Produzenten all dieser schönen Güter, also die Eigentümer und Mitarbeiter in Unternehmen, dafür auch entlohnt werden. Der stattliche Rest wird eher kein Einkommen haben und ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Klingt das zu hart?

In der Logik der Produzenten sind Menschen lediglich Ressource und machen auch noch zu viele Fehler. In Zeiten von Six Sigma (Total Quality Management) und DPM (‚Defects per Million‘) ist der Mensch der letzte verbleibende Risikofaktor. Nicht das Unternehmen passt sich den darin beschäftigten Menschen an, sondern die Menschen dem Unternehmen. Heutige Prozessabläufe sind in kleine und kleinste Unterschritte eingeteilt, die genau vorschreiben, wer wann was zu tun hat, Abweichungen sind nicht vorgesehen. Charly Chaplin’s Film ‚Moderne Zeiten‘ aus dem Jahr 1936 scheint moderner denn je zu sein. Software, Maschinen und Roboter definieren den überwunden geglaubten Taylorismus neu und in einer ungeahnten Perfektion.

Unternehmen, welche die derzeitige technologische Transformation und neue disruptive Technologien überleben wollen, sind daher zu einer ständigen Neuerfindung und Schöpferischen/Kreativen Zerstörung gezwungen, ob sie wollen oder nicht. So bezeichnete der Ökonom Josef Schumpeter die Neukombination von Produktionsfaktoren, die alte Strukturen verdrängt und schließlich zerstört. Diese Zerstörung ist nach seiner Meinung kein Systemfehler. sondern geradezu notwendig. Was ist die Folge?

Viele Berufstätige müssen sich den genau definierten Prozessen und Teilschritten unterwerfen und geraten dadurch in Dauerstress. Sie können kaum Einfluss auf die Abläufe nehmen und sind somit nur ein zudem kleiner werdender Baustein im Bemühen der Unternehmen um absolute Flexibilität bei gleichzeitiger Fehlerintoleranz. Sie werden wie in ‚Moderne Zeiten‘ zur austauschbaren Manövriermasse, zu kleinen Zahnrädchen im großen Getriebe. Nur eine relativ kleine Gruppe von Arbeitnehmern wird kybernetische Funktionen wahrnehmen. Kybernetik ist die Wissenschaft der Steuerung und Regelung von Maschinen, lebenden Organismen und sozialen Organisationen. Die ‚Kunst des Steuerns‘ wird damit zu einer Art Geheimwissenschaft von Unternehmenslenkern im Verbund mit hoch spezialisierten Mitarbeitern.

Die technologischen Umbrüche werden daher massive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, Kultur und das Verhalten des Einzelnen nach sich ziehen. Austauschbarkeit und Hektik sowie fehlender persönlicher Einfluss führen zu instabileren familiären Verhältnissen. Das sind Belastungen, mit denen Arbeitnehmer zukünftig verstärkt fertig werden müssen. Aber große Veränderungen bieten auch Chancen.

Ende Teil 4

Michael May

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