Nachhaltigkeit – ein schönes Märchen?

Was verstehen Sie unter ‚Nachhaltigkeit‚? Vielleicht so wie ich, dass wir mit Sicherheit eines schönen Tagen nachhaltig tot sein werden. Meinen Sie, dass Smartphones nachhaltige Produkte sind, obwohl sie spätestens nach 2 Jahren komplett veraltet sind? Updates: praktisch komplette Fehlanzeige. Noch interessanter wird der Begriff der Nachhaltigkeit bei der Betrachtung der immer moderner werdenden Kaffeepads, die zwar meistens kompostierbar sind – einen aber an die Kaffeemaschine eines Herstellers nachhaltig binden. Ins Bild passt auch die immer öfter diskutierte ‚Geplante Obsoleszenz‘, also das quasi schon eingebaute Verfallsdatum bestimmter Bauteile, um die Lebensdauer eines Produktes zu begrenzen. Wegwerfen und ein neues Teil kaufen heißt die Devise, denn eine Reparatur moderner Technik ist kaum möglich und nicht gewünscht.

Machen wir uns nichts vor: Ein unkaputtbares und langlebiges Produkt würde fast zwangsläufig zur Insolvenz des Herstellers führen. Weltweit sind die Umsätze der meisten Unternehmen seit dem Jahr 2000 übrigens sogar zurückgegangen. Gründe dafür sind die Globalisierung und der daraus steigende Wettbewerb. Wer nachhaltig wirtschaften will, muss für sein haltbares Produkt somit einen weit höheren Preis verlangen als Wettbewerber. Das schränkt den Kreis der Käufer aber wiederum nachhaltig ein.

Nachhaltigkeit ist cool. Das modernste, beste Produkt von allen in der Hand zu halten, ist cooler.

Deshalb bleibt Nachhaltigkeit in der Breite das, was es ist: Ein Märchen, das uns wärmt, weil wir doch so gute Menschen sind. Obwohl wir im Inneren wissen oder ahnen, dass es Nachhaltigkeit selten gibt, weil die Unternehmen weltweit getrieben werden, Umsatz zu machen. Sonst sterben sie.

Michael May

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Ein Gedanke zu „Nachhaltigkeit – ein schönes Märchen?

  1. Das ist in der Tat eine bedenkliche Entwicklung. Nicht immer hat es mit Coolness zu tun, die Lebenszeiten von Produkten niedriger zu halten, als es möglich wäre. Manchmal ist es auch Bequemlichkeit oder Unwissenheit. Lebensversicherungen, um ein Beispiel aus der Finanzwirtschaft zu bringen, sind für eine Dauer von 12 bis 30 Jahren konzipiert, nicht nur, weil sie der Altersvorsorge dienen, sondern auch, weil die Anlagen der Kundengelder oft einen sehr langfristigen Horizont haben, wie z.B. im Infrastruktur- und Anlagenbau. Deswegen werden Versicherte, die ihr Geld vorfristig aus den Verträgen abziehen, auch mit Stornogebühren bestraft. Dabei besteht auch die Möglichkeit, die Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt zu verkaufen, und damit gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Denn die Police wird nach Ankauf nicht gekündigt, sondern durch den Investor weitergeführt: http://csr-news.net/main/2014/04/29/recycling-von-fondsbeteiligungen-und-lebensversicherungen/.

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