Bedrohung schrumpfende Margen

In Nordhessen haben sich kürzlich 18 Unternehmen der Baubranche um eine Ausschreibung von nur 300.000,- Euro beworben. Die Preisgebote waren teilweise ruinös, weil die Unternehmen kaum noch Aufträge erhalten.

Die Gründe liegen auf der Hand: Viele Kommunen stehen unter der Aufsicht eines Rettungsschirms und haben kaum noch freie Mittel für die Infrastruktur. Zudem sind ausgeglichene Haushalte anzustreben, was auch die Aussichten der nächsten Jahre nicht verbessert. Unternehmen aller Art, die hauptsächlich von öffentlichen Auftraggebern leben, gehen schweren Zeiten entgegen.

Ich traf kürzlich den Geschäftsführer eines bundesweit tätigen Vermessungsunternehmens. Trotzdem die eigenen Leistungen qualitativ nur noch von wenigen Mitwettbewerbern erbracht werden können, sinken die Erlöse beständig und erreichen mittlerweile ein wenig auskömmliches Niveau.

Aber auch andere Branchen kämpfen mit schrumpfenden Margen. Kreditinstitute müssen umfangreiche und kostenträchtige Regulierungen der Aufsichtsbehörden stemmen. Gleichzeitig bestehen teilweise deutliche Überkapazitäten und der Wettbewerbsdruck nimmt durch neue Spieler zu. Die Finanzindustrie muss sich neu erfinden und versucht derzeit den Spagat zwischen der Einführung neuer Technologien, die vorrangig junge Kunden binden sollen, während eher ältere Menschen die Zweigstellen bevorzugen.

Die Automobilindustrie ist zum ständigen Einsatz mitunter großer Rabatte gezwungen, da sinkende Verkaufszahlen seit Jahren tendenziell zu beobachten sind. Rabatte von 20 bis 30 Prozent sind mittlerweile nicht mehr nur seltene Ausnahmen. Da jüngere Menschen das Auto aber eher nicht mehr als Statussymbol betrachten und die Einwohnerzahlen in Deutschland weiter zurückgehen, ist eine Besserung nicht in Sicht.

Daher setzen die deutschen Autobauer vor allen Dingen auf den asiatischen und amerikanischen Markt. Ich bin mir aber sicher, dass die chinesischen Autohersteller in den nächsten 5 Jahren über das know-how deutscher Hersteller wie Audi, BMW und Mercedes verfügen. Möglicherweise wird der chinesische Staat dann Zugangsbeschränkungen ausländischer Fabrikate erlassen, um die eigenen Produkte durchzusetzen. Das wäre eine klassische chinesische Strategie im Rahmen der schon in der Schule gelehrten 36 Strategeme.

Mancher Biobauer stellt enttäuscht wieder auf konventionelle Landwirtschaft um. Den Preis für diese hochwertige biologische Ware will oder kann der Endverbraucher nicht aufbringen. Die aktuellen Preiskämpfe der hiesigen Lebensmittelgiganten setzen deren Lieferanten weiter unter Druck, obwohl Deutschland schon seit vielen Jahren das Land mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen in Europa ist. Exemplarisch sichtbar wurde dies durch das Scheitern des größten Einzelhändlers der Welt in Deutschland, Wal-Mart, vor einigen Jahren.

Im hochwertigen Maschinenbau sinken die Margen ebenfalls tendenziell und oft bringt nur noch der Service ausreichende Erträge. Die Serviceerträge liegen teilweise um ein Mehrfaches höher als die Erträge beim Bau neuer Anlagen. Der Maschinenbau gehört mit dem Automobilbau zu den Flaggschiffen deutscher industrieller, hochwertiger Güter.

Aber auch die Beraterbranche muss sich neu erfinden. Viele Unternehmen sind nicht mehr bereit, deren Tagessätze von 2.000,- Euro je Berater und mehr zu bezahlen, sondern wollen eher auf eine am Erfolg orientierte Bezahlung umsteigen. An Bedeutung gewinnen wird das Umsetzungsmanagement von empfohlenen Maßnahmen. Geschäftsführer wollen zukünftig weniger den Rat von jungen, sehr gut ausgebildeten High-Potentials, die aber über keinerlei eigene praktische Führungs- und Umsetzungserfahrung verfügen. Dafür ist der Erfolgsdruck in unsicheren Zeiten in den Unternehmen viel zu groß. Erfahrene Interim-Manager mit großem fachlichen und praktischen Hintergrund werden zukünftig das Geschick von Unternehmen verstärkt bestimmen und den Berater ablösen.

Das Drama der Kaufhäuser befindet sich in einem schon fortgeschrittenen Stadium und wird sich weiter fortsetzen. Amazon und Co. werden den Markt weiter aufrollen und zusätzliche Marktanteile gewinnen. Immer mehr Nischen werden von kleinen Online-Anbietern erschlossen werden.

Wir leben in Zeiten schrumpfender Erträge, die unsere Unternehmen und somit unseren Wohlstand bedrohen. Das ist auch eine Erklärung dafür, dass trotz vielfach beschworenem Fachkräftemangel das Lohn- und Gehaltsniveau gerade in Deutschland eher sehr verhalten gestiegen ist und auch Zeitarbeit weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Können wir diese Margen wieder dauerhaft erhöhen? Die Aussichten dafür sind sehr zweifelhaft, da im Rahmen der Globalisierung immer neue Länder und Mitspieler erschienen sind und noch erscheinen werden. Dieser erhöhte Wettbewerb wird eine Verbesserung der Margen in fast allen Branchen nicht zulassen.

Die Schlussfolgerung:
Neben deutlichen Kürzungen der Kosten in den Unternehmen, die wir sehen werden, benötigen wir einen massiven Wandel der Unternehmenskulturen. Schon vor über 20 Jahren erschien das Buch von Tom Peters „Jenseits der Hierarchien“. Dennoch sind seine Ideen weiterhin aktuell.

Wie solche neue Unternehmen aussehen können, damit werden wir uns in diesem Blog in den nächsten Monaten näher befassen.

Michael May

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