Was wird aus unserem Geld?

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister:

„Wenn mich junge Menschen fragen, wann wir endlich ganz ohne Schulden sind, dann sage ich: Hoffentlich nie. Denn Schulden verschwinden nur nach einer Währungsreform.“

Quelle: FOCUS-Online vom 27.10.2013

Der folgende Beitrag stammt aus dem Jahr 2009 und ich hatte diesen für Freunde verfasst, die mich nach der Zukunft des Geldes fragten. Ich habe diesen nur leicht aktualisiert.

Die Dollar­Blase ­
oder – was von unserem Geld übrig bleibt!

Immer wieder führe ich Gespräche mit Unternehmern, die neben dem Tagesgeschäft auch Ihre persönlichen Finanzen im Blick haben. Fast jeder möchte wissen, wie sich „sein“ Vermögen entwickeln wird. Leider sind die Aussichten hierfür eher sehr verhalten. Die derzeitige Finanzkrise mag auf den ersten Blick „nur“ durch den Werteverfall der amerikanischen Immobilien verursacht worden sein. Dies ist aber nur ein Baustein in der sich bietenden Situation.

Die Funktion des Geldes
Vorab ist ein kleiner Ausflug in die Volkswirtschaftslehre sinnvoll. Jeder Auszubildende in einem Kreditinstitut lernt die wesentlichen Funktionen des Geldes, welche sind:

* Die Tauschfunktion
* Die Wertaufbewahrungsfunktion

Die Tauschfunktion ist offenkundig. Wir erwerben Waren im Tausch gegen Geld. Diese Aufgabe soll vorerst nicht weiter behandelt werden. Zu früheren Zeiten musste ein Staat über Gold und Silber verfügen, um Geld als legales Tauschmittel ausgeben zu können. Das im Umlauf befindliche Geld war somit direkt an den Bestand von Edelmetallen gekoppelt. Findige Herrscher aber „streckten“ die ausgegebenen Gold­- und Silbermünzen etwa durch Kupfer, um über mehr Geld verfügen zu können. Die Art solcher Währungen gab es noch Anfang des 20. Jahrhunderts, bis der 1.Weltkrieg ungeheure Summen an Geld benötigte, das nicht an Edelmetalle gekoppelt waren. Es bestand bis dahin eine Umtauschgarantie von Papiergeld in Gold.

Die FED
Im Jahr 1913 wurde die amerikanische Notenbank, die FED (Federal Reserve System), gegründet. Die FED ist keine staatliche Bank wie viele glauben, sondern hauptsächlich ein privates Institut. Sie erhielt das Recht, eigenes Geld herauszugeben, welches der amerikanische Staat garantierte. Auch kaufte die FED in den nächsten Jahrzehnten weltweit Goldbestände auf. So wurde während des 2. Weltkriegs 1944 in Bretton Woods wieder ein neuer Goldstandard beschlossen und die großen Goldbestände der USA dienten zur Abdeckung des amerikanischen Greenback. Der Dollar wurde so zur Weltleitwährung, denn fast alle geschäftlichen Kontrakte wurden nun in Dollar abgewickelt (z.b. der Rohstoffhandel aller Art).

Im Jahr 1971 wird es interessant, denn die amerikanische Regierung unter Nixon kündigte die Pflicht zur Einlösung von Dollar in Gold auf und die USA hafteten zukünftig nicht mehr für den Dollar. Dies bedeutet, dass die seit dieser Zeit von der FED ohne irgendwelche staatliche Haftung in Umlauf gebrachten Dollar (und das sind sehr viele) in der ersten Funktion legales Tauschmittel sind. Kann der Dollar darüber hinaus aber noch als Wertaufbewahrungsmittel dienen?

Papier braucht Vertrauen
Wovon hängt das Vertrauen in eine Währung unbedingt ab: Vom Vertrauen der Geldbesitzer, dass der Wert ihres Geldes langfristig erhalten bleibt. Dies aber bedeutet wiederum, dass Geld insgesamt nur begrenzt zur Verfügung stehen kann, also der Geldmenge tatsächlich vorhandene Gütermengen gegenüberstehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die weltweite Geldmenge im Verhältnis zur Gütermenge jedoch mehr als verzehnfacht. Ein solcher Überhang an Geld entwertet dieses und ist nichts weiter als eine Inflation.

In unserer Wahrnehmung sind die Preise in den letzten 20 Jahren zwar gestiegen, aber eine große Inflation haben wir in Deutschland praktisch so nicht erfahren. Dies ist in Deutschland auch dem Wirken der früheren Bundesbank zu verdanken. Diese war vom Staat unabhängig und vom Gesetz her nur der Werthaltigkeit der Deutschen Mark verpflichtet. Die Bundesbank verhinderte somit in Deutschland das Anwerfen der staatlichen Gelddruckmaschine und die DM war eine harte Währung. Mit Gründung der Europäischen Zentralbank ging diese Unabhängigkeit weitgehend verloren.

Seit einigen Jahren veröffentlicht die FED keine Statistiken über die Höhe bzw. das Ansteigen der US­-Geldmenge mehr. Es gibt aber Schätzungen, dass gerade in den letzten Jahren die amerikanische Geldmenge weit schneller angestiegen ist als die entsprechende Gütermenge. So betrug die Geldmenge in den USA im Jahr 1998 ca. 6 Bill. Dollar, um im Jahr 2008 auf geschätzte 14,6 Bill. zu steigen. Die derzeit von den USA wegen der Finanzkrise beschlossenen Maßnahmen zur Stützung der US­-Wirtschaft und des Bankensystems belaufen sich auf ca. 9 Billionen Dollar.

Die Welt wird somit in den nächsten Jahren mit Dollar geflutet werden. Die gesamte private und öffentliche Verschuldung der USA liegt nach groben Schätzungen bei mittlerweile ca. 50 Billionen Dollar. Wenig bekannt ist, dass zur Erzeugung eines einzigen Dollar des US-­Bruttosozialprodukts mehrere Dollar an neuen Krediten benötigt werden, was die Verschuldung weiter erhöht und auch eine der Ursachen für die geplatzte gigantische Finanzblase gerade in den USA war. Das aktuelle Fluten der Märkte mit weiteren Dollar wird daher weitere Blasen erzeugen und jeden einzelnen Dollarschein weiter massiv entwerten.

Auch haben die Bürger der USA ihren Lebensstil (Ausgleich des Handelsbilanzdefizits) mit den Ersparnissen in anderen Ländern finanziert. Teilweise gingen 3⁄4 der weltweiten Ersparnisse in die USA. Nun sitzen viele Länder, insbesondere aber China und die Vereinigten Arabischen Emirate auf riesigen Dollarbeständen. Es mehren sich die Zeichen, dass diese Länder ihre hohen Dollarbestände nicht weiter aufbauen, sondern im Gegenteil eher reduzieren wollen. Denn was haben sie für ihre gelieferten Güter oder Rohstoffe bekommen: Jede Menge Dollar, die von einer privaten Institution ohne staatliche Haftung heraus gegeben wurden und denen keine entsprechenden Werte gegenüberstehen.

Es stellt sich also die spannende Frage, was ein Dollarschein tatsächlich heute und in Zukunft noch wert ist. Es ist so, dass dessen Kaufkraft heute in Wirklichkeit nur noch einige Cent beträgt, also ein Bruchteil des aufgedruckten nominalen Werts. Gleichzeitig kann die oben gestellte Frage, ob der Dollar noch als Wertaufbewahrungsmittel dient mittlerweile eher verneint werden. Es ist im Gegenteil zu erwarten, dass die hemmungslose Dollarmehrung zu einer Reform der amerikanischen Währung führen könnte. Diese „Reform“ wird dann aber alle Besitzer von Dollar in Mitleidenschaft ziehen.

Schlussfolgerungen
Da es mittlerweile praktisch kein Land auf der Erde mehr gibt, dessen Zentralbank vom Staat unabhängig ist, heißt dies im Klartext, dass Währungen aus unterschiedlichsten Gründen politisch manipuliert werden. Das geschieht seit Jahrzehnten mit dem Dollar in den USA und nun sind die USA selbst gezwungen, dieses Experiment in einer bisher ungeahnten Höhe und Geschwindigkeit fortzuführen. Der Dollar wird somit noch gesetzliches Tauschmittel bleiben, seine Werterhaltungsfunktion, ­wie die übrigens vieler anderer Währungen auch,­ ist aber weitgehend verloren gegangen. Was bedeutet das für uns Deutsche?

Wir meinen, Dinge könnten sich nicht wiederholen, weil wir ja intelligenter sind als zu früheren Zeiten und bei den Wirtschaftswissenschaften grandiose Entdeckungen gemacht wurden, die teilweise Nobelpreise nach sich zogen. Allerdings sind alle mathematischen Modelle zur Darstellung von Sachverhalten immer nur der müde Abklatsch der Realität. Diese Modelle nutzen gar nichts, wenn von falschen Ausgangswerten bewusst oder unbewusst ausgegangen wurde. Auch kommen bei der klassischen Szenario­-Technik immer wieder best-, mid-­ und worst-case Betrachtungen vor. Den Crash kann man modellhaft aber kaum abbilden, weshalb dieser in den allermeisten Szenarien der Wirtschaftswissenschaftler, seien es Betriebs-­ oder Volkswirte, einfach weggelassen wird. Es gibt als Steuerungsgröße nur den errechenbaren Wert der „Maximalen finanziellen Tragfähigkeit“ (eines Unternehmens oder eines Staates), der sich aus den wirtschaftlichen Parametern ableiten lässt. Staaten haben es als Herrscher über die Notenpresse natürlich einfacher. Das Undenkbare jedoch kann kaum dargestellt werden. Die Boten schlechter Nachrichten wurden zur früheren Zeiten nicht selten ums Leben gebracht. Dies erklärt auch, warum so viele Wissenschaftler zu ähnlichen Ergebnissen kommen: Sie wollen in der Herde nicht auffallen!

Es ist somit trügerisch zu glauben, solche Dinge wie in den Jahren 1923 oder 1948 könnten uns nicht mehr passieren. Die ständige und größer werdende Vermehrung von Geldscheinen ohne Gegenwerte führt zwangsläufig zu einer Inflation. Etappen auf diesem Weg sind Rezessionen, sinkende Einkommen und befristete Deflationen auf Grund des Zusammenbrechens der Nachfrage sowie Insolvenzen von Kreditinstituten, Unternehmen und zuletzt auch Staaten.

Vertrauensentzug
Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die Inhaber von Geld das Vertrauen in die aufgedruckten Werte verlieren. Da wir per Gesetz gezwungen sind, Geld als Tauschmittel zu verwenden, wird uns der Verlust der Wertaufbewahrungsfunktion nicht deutlich. Wir haben sozusagen einen „Blinden Fleck“ für diese Gefahr. Natürlich hören oder lesen wir oft davon. Durch die ständige Verwendung von Geld und den fehlenden (negativen) Erfahrungshintergrund können wir uns diesen überdies abstrakten Wertverlust jedoch kaum gegenständlich vorstellen. Trotzdem ist dieser ständig vorhanden und nagt an unserem Geld. Ob dieser Vertrauensverlust schon schleichend in ein Frühstadium eingetreten ist oder erst in einigen Jahren kommt ist dabei letztlich unwichtig. Fakt ist, dass er kommen wird. Was sind die Folgen:

* Sachwerte sind gefragt wie nie (Ackerland wird wieder wertvoll)
* Alterssicherungen, Fonds, Aktien lösen sich zumindest teilweise in Luft auf
* Staaten geraten in Gefahr
* Währungsreformen scheinen möglich (Staaten trennen sich von ihren Schulden)

Das Gold
Es geht hier nicht um die Anlage von Gold, sondern um die deutschen Goldbestände von ca. 3.400 Tonnen (per Ende 2008). Nach einer Währungsreform hätte dieses Gold sicher einen Wert, der den theoretischen Marktwert von 2008 (ca. 63,7 Mrd. €) in Kaufkraft weit übersteigen würde. Es gibt aber ein Problem: Die deutschen Goldreserven lagern nach allgemeinem Kenntnisstand vorwiegend nicht in Deutschland, sondern bei anderen Zentralbanken und auch in Tresoren der FED. Entscheidend ist aber die körperliche Verfügungsgewalt über dieses Gold. Nur wenn dieses in deutschen Tresoren lagert, kann Deutschland darüber auch verfügen. Derjenige also, der die meisten Goldbestände sein eigen nennt oder für andere „treuhänderisch“ hält, kann bei einer Währungsreform maßgeblichen Einfluss ausüben. Daher war es ein kluger Schachzug des französischen Präsidenten De Gaulle, das französische Staatsgold in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts (mit einem Kriegsschiff) wieder nach Frankreich zurückzuholen. Klar ist auch, dass ein solcher Schritt bei uns politisch derzeit kaum gewollt ist.

Fazit
Die Geldentwertung kommt und eine Währungsreform erscheint nun nicht mehr ausgeschlossen. Zwar wird die Politik dies vehement bestreiten und versuchen, alle Bedenken zu zerstreuen. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Allerdings ändert dies nichts an den Fakten. Auch die deutsche Staatsverschuldung steigt immer weiter und wird auf „normalem“ Weg nicht mehr zurückzuführen sein. Die mageren Wachstumsraten der nächsten Jahre und eine sinkende Bevölkerungszahl werden dies nicht zulassen. Eine dauerhaft wieder ansteigende Arbeitslosenquote reißt weitere Löcher in die öffentlichen Finanzen. Somit wird der deutsche Normalbürger solange mit neuen Steuern konfrontiert werden, bis die Sozialsysteme, die öffentlichen Haushalte und die Renten kaum noch finanzierbar sind. Schließlich kommt es zum Schnitt, der Währungsreform. Für den Staat ein tolles Geschäft. Über Jahrzehnte hinweg angesparte Vermögen deutscher Bürger verschwinden größtenteils. Rentner gehen harten Zeiten entgegen.

Bei der großen Depression in den USA hatten im Jahr 1934 ungefähr 80 Mio. Amerikaner ihre gesamten Ersparnisse verloren, fast ein Drittel der Unternehmen war vom Markt verschwunden und die Löhne waren um ca. 25% gesunken. Da auf die Börsen-­ und Finanzkrise immer die Realkrise folgt kann man sich vorstellen was passiert, wenn die aktuelle Krise nur „halb so schlimm“ wäre. Deutschland wäre somit massiv betroffen. Die aktuellen Einbrüche bei der Industrieproduktion oder die Verheerungen bei den Automobilproduzenten bzw. -­lieferanten (Anmerkung: Stand 2009) sind die Vorboten eines grundlegenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Wandels in der Welt und auch Deutschland. In den vorgenannten Branchen sind insgesamt Mio. von Jobs vom Wegfall bedroht.

In einem deutschen Monatsmagazin war jetzt zu lesen „Deutschland braucht ein neues Geschäftsmodell“. Da aber wir, die sogenannten „Verbraucher“ sowie unsere Exportindustrie die Grundlage des bisherigen Geschäftsmodells darstellen scheint mir folgerichtig zu sein, dass der Verbraucher und unser Exportmodell zumindest in wichtigen Teilen durch etwas anderes ersetzt werden müssten, um dieses neue Geschäftsmodell mit Leben zu erfüllen. Während eines solchen Prozesses wird es aber mit Sicherheit zu einer durchaus längeren Phase der Schumpeter’schen „Schöpferischen Zerstörung“ kommen. In jedem Fall dürfte der aktuelle Lebensstandard der Deutschen in einigen Jahren in der Zukunft als der Gipfel angesehen werden, von dem man langsam wieder absteigt. Wie Deutschland in 20 Jahren, ­also noch während unser Erlebenszeit­ aussehen könnte, ist derzeit nur schemenhaft zu erahnen.

Eine gerade erst veröffentlichte Studie sagt übrigens aus, dass ca. 1/3 der Deutschen jeden Alters mit dem Begriff „Zukunft“ schon heute nichts anfangen kann. Sicher gibt es hier unterschiedlichste individuelle Gründe und der Staat ist dabei nicht selten unschuldig. Ich vermute aber, dass der Anteil dieser Gruppe tendenziell eher steigen wird.

Übrigens:
Ich rate den eingangs erwähnten Unternehmern aktuell daher zu einer Umschichtung des Vermögens hin zu mehr gestreuten Sachwerten, auch wenn dort mittelfristig nur eine relativ geringe Verzinsung bzw. Erträge zu erwarten sind. Gleichzeitig können die Bargeldbestände ruhig aufgestockt werden, denn in der aktuellen Krise ist die Erhaltung der Liquidität oberstes Gebot und Umschichtungen können aus dieser Position jederzeit vorgenommen werden. Hohe versprochene Renditen verschiedener Anlagen weisen derzeit auf noch höhere dahinter stehende Risiken hin. Nicht die maximale kurzfristige Rendite zählt zukünftig zuerst, sondern die langfristige Erhaltung der Vermögenswerte inklusive einem Inflationsausgleich. (Anmerkung: Stand 2009).

Michael May

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