Kapital für den Mittelstand – CrowdDialog 2013 in München

Gute Geldanlage?
Gigantische 90 Milliarden Euro investieren deutsche Privatanleger pro Jahr in sogenannte Finanzderivate. Solche Derivate sind nicht unbedingt neu und ihr Einsatz ist in vielen Fällen gerechtfertigt.

Allerdings sind gerade in den letzten Jahren immer mehr Derivate auf den Markt gekommen, die Wetten gleichen: Wann trifft beispielsweise ein Wirbelsturm die Ostküste der USA? In einer schon extremen und für manchen zynischen Form gibt es solche Wetten: Sterben an einem bestimmten Leiden erkrankte Menschen im erwarteten Zeitraum (oder nicht)? Reale Grundgeschäfte oder Vermögensgegenstände liegen diesen Wetten nicht mehr zu Grunde, sondern sie sind einfach sehr risikoreiche Zahlungsversprechen. Kaum ein privater Anleger versteht die dahinter liegenden Überlegungen und mathematischen Auswirkungen.

Da erscheint es umso verblüffender, wenn viele deutsche Anleger Investitionen in Startups oder Unternehmen als zu gefährlich ansehen. Diese verzerrte Sichtweise verhindert Investitionen in sinnvolle Geschäftsmodelle, während jede Menge Kapital für … Wetten … vorhanden ist.

Alternativen?
Über 300 Teilnehmer aus ganz Europa diskutierten beim CrowdDialog in München einen Tag intensiv, wie Startups, aber auch bestehende Unternehmen bei dieser insgesamt unbefriedigenden Ausgangslage besser mit Kapital versorgt werden können. Schließlich schaffen Wetten keine Arbeitsplätze, sondern nur Unternehmer, die etwas wagen.

Sei es als Eigen- oder Fremdkapital: Wenn nur 1 Prozent der genannten 90 Milliarden Euro, also 900 Millionen Euro, zusätzlich für Startups und Unternehmen zur Verfügung ständen, dann wäre deren Wirkung für Deutschlands Volkswirtschaft sehr positiv. Gleichzeitig hätten private Investoren die Chance, am Erfolg von Unternehmen zu partizipieren.

Interessant erscheint in diesem Zusammenhang aber auch, dass gerade mittelständische Unternehmen sehr ungern Informationen zur Finanzlage veröffentlichen. Das verhindert natürlich auch Investitionen von Privatanlegern. Dabei sollte den Geschäftsleitungen von Kapitalgesellschaften klar sein, dass die Publizitätspflicht die Offenlegung wichtiger Finanzdaten verlangt. Spätestens ab mittelgroßen Kapitalgesellschaften kann nicht nur die Bilanz, sondern auch die Gewinn- und Verlustrechnung zeitversetzt von jedermann im Internet eingesehen werden.

Tolle Ideen suchen Kapital
Neben einem straffen Programm von Vorträgen und Diskussionsrunden konnten 10 Startups ihr jeweiliges Geschäftsmodell allen Teilnehmern vorstellen. Daraus entwickelten sich viele interessante Gespräche und Anknüpfungspunkte. Ich bin sicher, dass zumindest ein Teil dieser Startups seine Chance bekommen wird.

Weitgehend einig waren sich die Konferenzteilnehmer darin, dass mit Blick auf Basel III auch bestehende Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell schwieriger an Kredite von Banken gelangen werden. Die Anforderungen an die Eigenkapitalunterlegung solcher Kredite durch die Bank werden sich wesentlich verschärfen. Noch sieht aber kaum ein Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen dieses Risiko. Zumindest teilweise könnten jedoch zukünftig alternative Finanzierungsmodelle diese Risiken abfedern.

Amüsantes/Nachdenkliches
Matthias Kröner von der Fidor Bank hielt den Schlussvortrag. Er berichtete von dem Angebot einer großen Bank, welches sich speziell an Kinder richtete. Die Verzinsung für das von Kindern eingelegte Spargeld sollte 0,1 Prozent pro Jahr betragen. Er empfahl, dieses Geld lieber unter das Kopfkissen zu Hause zu stecken. Das wäre dann echtes ‚Homebanking‘.

Aufschlussreich auch sein Hinweis zu den IT-Kosten einer sehr großen deutschen Bank. Diese Bank wende pro Jahr und pro Kunde ungefähr 200,- Euro für Informationstechnologie auf. Dagegen lägen die IT-Kosten je Nutzer bei Google bei gerade einmal 3,- Euro. Nicht nur an diesem Beispiel kann man die Herausforderungen an die Finanzwelt der Zukunft erkennen.

Fazit
Noch stehen Unternehmer, aber auch private Anleger, alternativen Finanzierungen wie beschrieben kritisch gegenüber. Dafür besteht aber letztlich kaum ein Grund. Scheinbar problemlose Geldanlagen können ebenso zum Verlust führen wie auch Anlagen in Startups. Letztere bieten aber wesentlich höhere Ertragschancen und liefern als Nebeneffekt noch Arbeitsplätze mit.

Der konservative deutsche Mittelstand muss erst noch die Vorzüge alternativer Finanzierungen erkennen. Die Argumente für eine weitere starke Zurückhaltung nehmen aber an Gewicht ab. Davon war die große Mehrheit der Teilnehmer nach einem interessanten Tag, vielen Diskussionen und Gesprächen überzeugt.

Michael May

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