Warum Crowdinvesting Zukunft hat

Basel III
Kaum jemand außerhalb der Finanzwelt kennt Basel III und dessen Auswirkungen auf Banken und den Mittelstand. Ein trockenes Thema und nicht wirklich prickelnd. Dabei sind die Folgen gravierend. Fest steht, dass es zukünftig für Unternehmen schwieriger werden wird, an Kapital zu kommen. Auch die Festschreibung von Zinsen wird zukünftig nicht mehr so einfach sein wie bisher.

Crowdinvesting ist ebenfalls bisher weitgehend unbekannt, auch wenn in den letzten zwei Jahren ein gewisser Hype darum entstanden ist. Gerade innovative, aber riskante Startups nutzen dieses noch neue Finanzierungsinstrument zur Beschaffung von Eigenkapital. Nun ist bekannt, dass nicht jedes Startup überlebt und Investoren Geld verlieren können. Wenn nur jedes 2. Startup erfolgreich ist, dann erscheint das schon als allgemein akzeptierte Quote. Startups, die überleben, können für die Investoren hingegen schöne Erträge einbringen. Daher kommt der Auswahl geeigneter Startups eine überragende Bedeutung zu. Nicht jedes Startup darf auf eine Crowdinvesting-Plattform.

Der bundesweit agierende High-Tech-Gründerfonds hat einen sehr strukturierten Prozess vorgeschaltet, der neben einer Prüfung der Gründer/Gründerteams auch unabhängige technologische Prüfungen vorsieht. Dieses systematische Vorgehen führt zu einer Erfolgsquote von über 80 Prozent. Plattformen, die lediglich den Hype ausnutzen und schnelles Geld machen wollen, werden zukünftig Probleme bekommen. Seriöse Crowdinvesting-Plattformen werden sich daher mit der Etablierung von Standards intensiv befassen müssen.

Neue Zielgruppen
Für bestehende Unternehmen ist Crowdinvesting bisher überhaupt kein Thema, geschweige denn bekannt. Ausnahmen sind etwa die Bäckereikette Heberer, die sich Kapital über den Verkaufstresen der Filialen geholt hat. Dies in Höhe von 8,5 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 7 Prozent. Insidern zufolge hat die Hausbank schon auf Zinsen verzichtet und es besteht weiterer Kapitalbedarf. Der Umsatz der Kette sinkt wegen des hohen Verdrängungswettbewerbs und der Ausgang dieses Experiments ist unklar.

Es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann der Crowdinvesting-Gedanke auch bei mittelständischen Unternehmen an Bedeutung gewinnen und zu einem fast alltäglichen Finanzierungsinstrument werden wird. Gründe dafür sind die Neupositionierungen von Kreditinstituten auf Grund massiver Wettbewerbsveränderungen und die Einführung standardisierter Prozesse. Hinzu kommt eine oft sehr schwache Eigenkapitalqoute mittelständischer Unternehmen. Banken werden an die Höhe dieses Eigenkapitals zukünftig erhöhte Anforderungen stellen. Crowdinvesting eignet sich hervorragend zur Einwerbung wirtschaftlichen Eigenkapitals. Was bedeutet dies in der Konsequenz:

Kreditinstitute und professionelle Crowdinvesting-Plattformen werden zukünftig verstärkt zusammenarbeiten, um Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell, aber fehlendem Eigenkapital oder einem Beta-Fehler-Rating, zu Kapital zu verhelfen.

Die neue Rolle der Banken
Ohne Kreditinstitute funktioniert die Finanzierung mittelständischer Unternehmen kaum. Sie sind nun mal die Platzhirsche, an denen niemand vorbeikommt. Aber in den Führungsetagen deutscher Banken fragt man sich schon, wie man in Zeiten weiterer massiver aufsichtsrechtlicher Regulierung noch Geld verdienen, das Risiko begrenzen und die Kunden weiter an sich binden kann. Intelligent eingesetztes Crowdinvesting spezialisierter Partner wird ein Mittel dazu sein. Es schont das Eigenkapital der Bank, stellt in gewisser Weise einen externen Risikopuffer dar und ermöglicht Kreditvergaben der Bank innerhalb der regulatorischen Grenzen. Noch sehen selbst Banken diese Chance sehr rudimentär. Aber wir sind sicher: In nur wenigen Jahren wird Crowdinvesting spezialisierter, externer Plattformen ein zusätzliches Instrument der Kreditinstitute auf der Klaviatur der Banksteuerung sein.

Noch ein wichtiger Faktor: Derzeit bauen viele Kreditinstitute ihre Aktivitäten in Social Media aus, verdienen damit aber kein Geld. Warum also nicht mit zusätzlichen Partnern wie professionellen Crowdinvesting-Plattformen quasi unentgeltlich Mehrwerte für die eigene Social Media Welt schaffen? Noch sind die klassischen Investoren in Startups Menschen mittleren oder höheren Alters. Für die heutigen Jugendlichen und zukünftigen Kunden wird Crowdinvesting eine bekannte und selbstverständliche Sache sein.

Rechtliche Anforderungen an Crowdinvesting-Plattformen
Crowdinvesting-Plattformen unterliegen bisher keiner besonderen Regulierung. Das ist auch gut so. Dem Gesetzgeber ist bewusst, dass Regulierung zum Tod neuer Finanzierungsinstrumente zur Förderung der Wirtschaft führt, da diese einfach zu teuer ist. Es besteht lediglich eine Begrenzung in Form der 100.000,- Euro Klippe. Allerdings existiert mit dem ‚Partiarischen Darlehen‘ sozusagen ein Ausweichprodukt, da dieses rechtlich zwar ein Darlehen, also Fremdkapital darstellt, bei entsprechender Ausgestaltung aber wie wirtschaftliches Eigenkapital wirkt. So können auch Summen des Mehrfachen der vorgenannten Grenze ohne aufwändigen Verkaufsprospekt eingeworben werden.

Es ist aber davon auszugehen, dass zukünftig mit einer sehr niederschwelligen Regulierung zu rechnen ist. Der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) liegt derzeit die Stellungnahme eines externen Sachverständigen zur Regulierung von Crowdinvesting-Plattformen vor. Wir gehen davon aus, dass es in folgende Richtung gehen wird:

1. Compliance – Wahrscheinlich wird die BaFin zukünftig eine schriftliche -sehr einfach ausgestaltete- Complianceregelung verlangt, die Startups und Investoren zugänglich sein muss.

2. Formale Anforderungen an die Betreiber einer Crowdinvesting-Plattform wie der schriftliche Nachweis einer fachlichen Eignung. Möglicherweise wird mit Nachweis bestimmter Berufsausbildungen oder formaler Qualifikationen automatisch eine Genehmigung erteilt (z.B. Bankbetriebswirt), während Berufsfremde eine Nachqualifizierung vornehmen müssen.

3. Qualitätsstandards – Derzeit kann jede Plattform nach eigenen Regeln arbeiten. Das sollte auch nicht geändert werden. Jedoch muss sichergestellt sein, dass beispielsweise Businesspläne oder Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) vom Gründer unterschrieben sind. Selbstverständlich sollte auch eine kurze schriftliche Kommentierung zur Erreichung/Nichterreichung von Meilensteinen, zur tatsächlichen Ertragslage (z.B. fehlende Buchungen oder Abgrenzungen) und zur tatsächlichen Liquiditätslage sein. Gerade Letztere ist besonders wichtig.

4. Vermeidung Interessenkonflikte – Eine Plattform, die ein Startup/Unternehmen per Funding mit Kapital versorgt, sollte Interessenkonflikte vermeiden. Schreibt eine Plattform an einem solchen Businessplan ‚mit‘, dann könnte bewusst oder unbewusst eine ‚Verschönerung‘ der Zahlen dabei erfolgen, um Investoren anzulocken. Daher sollte der Businessplan -nach definierten Standards wie unter Pos. 3 genannt- nur durch den/die Gründer oder sachverständige Dritte wie Steuerberater, Unternehmensberater, IHK oder Wirtschaftsprüfer verfasst werden. Nicht zuletzt setzt sich eine Plattform erheblichen Haftungsrisiken aus, wenn Investoren bei „geplatzten“ Finanzierungen erfahren, dass die Betreiber den Businessplan mit verfasst haben.

5. Sicherheitstechnische Mindestanforderungen – Klar sollte sein, dass etwa der Zahlungsverkehr sicher ist. Daher werden bestimmte einfache Zertifikate möglicherweise gefordert werden. Die Sicherheit der Plattform ist natürlich auch eine der Hauptinteressen der Betreiber, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

Die Swarminvest GmbH hat sich mit allen fünf genannten Punkten intensiv beschäftigt und ist in der Lage, diese Kriterien für die eigene Plattform zu erfüllen. Gesundes Wachstum mit ausgewählten und erfolgversprechenden Startups/Unternehmen genießt absoluten Vorrang vor schnellem Geld.

Banken als Partner
Kreditinstitute verfügen über ein langjähriges. sehr hohes Wissen zur Beurteilung von Unternehmen und setzen unterschiedliche Beurteilungsverfahren ein (z.B. Rating). Somit profitieren Crowdinvesting-Plattformen von Banken, da diese ihre Unternehmen in der Regel gut kennen und dadurch eine Vorauswahl für ein Funding recht einfach möglich ist. Durch die Zusammenarbeit wird die Professionalität der Plattformen weiter gesteigert und sie erhalten Zugang zu spezifischem Know-how. Banken wiederum freuen sich über die bereits genannten Vorteile hinsichtlich Eigenkapital, Risikobegrenzung und Erfüllung auch ansonsten schwieriger Kundenwünsche.

Kooperationen
Wir glauben, dass Crowdfunding-Plattformen nur im Rahmen von Kooperationen dauerhaft erfolgreich sein werden. Plattformen müssen über unterschiedliche Spezialisten verfügen, was diese in der Regel allein aus Kostengründen aber nicht leisten können. Es müssen geeignete Startups und Unternehmen gefunden werden, diese sind auf Erfolgswahrscheinlichkeiten hin abzuklopfen, rechtliche und technische Risiken sind zu beurteilen, die eigene Technik der Plattform muss zuverlässig und sicher sein und Social Media wird ein wichtigerer Vertriebsweg.

Die Swarminvest GmbH setzt daher zukünftig auf Kooperationen mit spezialisierten Partnern. Expertenwissen stellen uns mehrere Unternehmen im Bereich des Rating zur Verfügung. Ebenso eine auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Anwaltskanzlei und weitere externe Experten. Hinzu kommen unterschiedliche Spezialdienstleister für Technik und Zahlungsverkehr.

Unsere Ziele
In den letzten Monaten waren wir sehr aktiv und werden zukünftig als Side-Investor für eine bedeutende Fördereinrichtung arbeiten. Auch mit einigen Venture-Capital-Gesellschaften bestehen Verbindungen, um spezielle Finanzierungswünsche abzudecken. Mit dem Spezialanbieter für Social Media einer Bankengruppe hoffen wir, gemeinsam neue Wege zu erschließen. Mit einigen Industrie- und Handelskammern laufen viel versprechende erste Gespräche mit dem Ziel gemeinsamer Wirtschaftsförderung zum Nutzen der jeweiligen Region. Mit Universitäten bestehen erste Kontakte zur Förderung innovativer Startups. Auch mit Kreditinstituten gibt es erste Gespräche.

Die Swarminvest GmbH steht aber erst ganz am Anfang. Es gibt noch sehr viel zu tun. Wir glauben, den richtigen Weg zu gehen, denn wir wollen verlässlicher Partner von Unternehmen, Investoren, Banken, Fördereinrichtungen, Forschungseinrichtungen, Kammern und Verbänden sein. Nicht jedes Unternehmen wird auf unserer Plattform zugelassen sein, um die Qualität hochzuhalten.

Ausblick
Crowdinvesting in Deutschland ist sicher noch unterentwickelt. Derzeit werden letztlich nur einige Millionen Euro im Jahr von unterschiedlichen Plattformen eingeworben. Wir sehen aktuell einen Ausleseprozess und gehen von einer weiteren Professionalisierung der Crowdinvesting-Szene aus. Lagen bisher auschließlich Startups im Fokus der Plattformen, so werden Banken und mittelständische Unternehmen Crowdinvesting zukünftig stärker in definierten Fällen nutzen. Schon in wenigen Jahren erscheint daher ein Crowdinvesting-Volumen in vielfacher Höhe des derzeitigen möglich.

Banken und Plattformen werden verstärkt zusammenarbeiten, ihre Prozesse besser aufeinander abstimmen und auch standardisieren. So bleiben die Kosten für alle Beteiligten niedrig. Neue Innovatoren im Payment werden dazu stoßen und bisherige Lücken stopfen. Crowdinvesting wird sich zu einer allgemein akzeptierten Finanzierungsform für bestimmte Unternehmen entwickeln.

Michael May

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s