„Matched Practice“ vs. „Best Practice“

Viele Unternehmer und Manager diskutieren über „Best Practice“ und deren Anwendung in ihrem Unternehmen. Best Practice bedeutet übersetzt Erfolgsmethode und bezeichnet bewährte, vorbildliche Methoden, Praktiken oder Usancen, die in Unternehmen gelten. Dabei wird praktisch immer unterstellt, dass die angepriesene „Best Practice“ von allen anderen Unternehmen zum Vorbild genommen werden kann. Oftmals wird in diesem Zusammenhang der Begriff der „Optimierung“ genannt, obwohl kaum jemand so recht weiß, was dies genau bedeutet, wenn man diese Optimierung nicht statistisch nachweisen kann. Zumeist ist nämlich unklar, welche konkreten Beurteilungsfaktoren gelten, was durch schwammige Formulierungen übertüncht wird.

Abgeleitet ist die Erfolgsmethode vom „Deutsche Corporate Governance Kodex“ (abgekürzt DCGK). Nach der Definition in Wikipedia ist dieser Kodex ein von einer Regierungskommission der Bundesrepublik Deutschland erarbeitetes Regelwerk, das vor allem Vorschläge enthält, was eine gute Unternehmensführung, also ethische Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Führungen von Unternehmen und Organisationen, ausmacht.

Da haben wir den Begriffssalat auch schon. Es wird vom DCGK unterstellt, dass ethisches Verhalten aller Beteiligten gleichzeitig eine erfolgreiche und gute Unternehmensentwicklung sozusagen garantiert. Wer sich mit Verhandlungsstrategien und -taktiken befasst, dem wird das aber ein wenig blauäugig erscheinen. Es gewinnt meistens nicht der vorgebliche ethische Partner, sondern der gewiefte, mit allen Wassern gewaschene und oft mit mehr Verhandlungsmacht ausgestattete Verhandler.

Hinzu kommt: Was passiert, wenn ein Unternehmen eine falsche Strategie nach „Best Practice“ umsetzt? Wahrscheinlich ist dann trotz der Einhaltung der juristischen / gesetzlichen Vorgaben das Abgleiten in einen Sanierungsfall.

Wie aber kann gute, erfolgreiche und auch einigermaßen ethische Führung in Unternehmen erfolgen? Es gibt vier Arbeitsbereiche, in denen gute Unternehmensführung praktiziert wird:

1. Unternehmenskultur – die gelebten Werte und der Umgang miteinander
2. Unternehmensstrategie – die langfristige Ausrichtung und geplanten Verhaltensweisen des Unternehmens
3. Unternehmensstruktur – organisatorischer Aufbau
4. Unternehmenspolitik – die Summe der Maßnahmen, die eine noch unklare Vision der Zukunft konkretisieren

Die meisten Hochglanzbroschüren versprechen daher Dinge, die sie nicht einhalten. Gerade weltweit agierende Unternehmen nutzen auf Grund ihrer Marktmacht nicht selten weniger ethische Methoden, da diese mehr Ertrag versprechen. Diese Unternehmen werden straff geführt und die MitarbeiterInnen haben oft hohe Zielvorgaben zu erfüllen. Dann ist Arbeitnehmern zu deren Erreichung das materielle Hemd oft näher als die ethische Hose.

Best Practice in anderen Unternehmen kann daher kein Vorbild für die eigene Firma sein. Eher ist eine auf das eigene Unternehmen angepasste „Matched Practice“ sinnvoll. Deren Fundament beginnt bei der gelebten Unternehmenskultur und beinhaltet so einfache, aber wirksame Maßnahmen wie einvernehmlich verabschiedete Spielregeln, an die sich alle Beteiligten halten. Lieber mit „Matched Practice“ das Unternehmen nach vorne führen als der „Best Practice“ vermeintlicher Vorbilder hinterherhecheln.

Michael May

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