FOCUS Online: Iversity-will-europas-fuehrende-mooc-plattform-werden

„Hochschulen könnten etwa darüber nachdenken, sich von teuren Gebäuden und Lehrkräften zu trennen. Warum hundert oder mehr Studenten in Säle pferchen, wenn die Studenten ohne große Kosten online an fast allen Kursen teilnehmen können? Ein einziger Dozent ist in der Lage, mehrere Tausend Studenten an allen Orten der Welt zu unterrichten. Kein Student muss mehr mit dem Auto die Luft verschmutzen, Kosten für eine dauerhafte Unterkunft aufbringen oder Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln verschwenden. Faktenwissen wird zu einer recht leicht handel- und austauschbaren Ware.“

Dies schrieb ich letztes Jahr in einer kleinen Veröffentlichung. Jetzt ist im FOCUS ein Beitrag erschienen, der diese Zeitenwende ankündigt. „Klassische“ Universitäten könnten ähnlich unter Druck geraten wie Verlage durch die günstige Selbstvermarktung per ebook oder der Buchhandel durch Amazon & Co.

Hier der Text:

Seit Sebastian Thruns spektakulärem Erfolg mit Online-Vorlesungen (MOOCs) laufen die Wetten, wer den Bildungssektor umkrempeln wird. Das Berliner Unternehmen Iversity tritt nun an, Europas führende MOOC-Plattform zu werden. Das Berliner Unternehmen Iversity will Europas Professoren ins Netz bringen. Vorlesungen sollen künftig im Internet stattfinden, inklusive Übungen und Online-Fragerunden. Diese offenen Online-Lehrveranstaltungen (MOOC oder „Massive Open Online Course“) könnten die Lehrpläne vieler Universitäten durcheinander wirbeln. „MOOCs könnten das Ende der Einführungsvorlesungen bedeuten“, sagt Iversity-Geschäftsführer Marcus Riecke. „Besonders gute Professoren lesen dann die Einführung – und Studenten in aller Welt haben Zugang dazu“. Die Vorteile sind die Möglichkeiten für direkte Rückfragen, die nach dem Quora-Prinzip hochgewertet werden können.

Seit Thruns Erfolg gelten MOOCs als Anwärter auf das nächste große Ding im Netz. „Nach den Medien wird die Bildung als nächste Branche vom Internet revolutioniert“, prophezeit der amerikanische Innovationsexperte Clay Christensen. Überfüllte Hörsäle wären künftig Vergangenheit, denn im Netz können auch locker 100000 Studenten die Vorlesung hören. „Die Stars hätten viel Zulauf; die mittelmäßigen Professoren und Universtäten ein Problem“, erwartet Riecke. Die oft unbeliebten Einführungsvorlesungen sind für die Unis teuer; das Geld könnte dann für andere Zwecke eingesetzt werden.

Gute Erfahrungen am Hasso-Platter-Institut
Erste Erfahrungen mit den Massen-Vorlesungen hat in Deutschland das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam gesammelt. Selbst für spezielle Disziplinen ist die Nachfrage plötzlich groß, wenn Interessierte in aller Welt Zugang bekommen. „6000 Studenten haben meinen Kurs zur Semantik belegt – und fast alle sind dabei geblieben“, freut sich HPI-Forscher Harald Sack. An der Leuphana-Universität Lüneburg läuft seit Januar an der Leuphana Digital School ein Online-Kurs mit dem Architekten Daniel Libeskind über Stadtplanung im 21. Jahrhundert, für den sich 2500 Studenten eingeschrieben haben. Auch die beiden Münchner Universität LMU und TU sind schon auf den Zug aufgesprungen und haben sich dem Anbieter Coursera angeschlossen, bei dem inzwischen mehr als zwei Millionen Studenten für Online-Kurse eingeschrieben sind.

In den USA haben die Harvard University und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Lernplattform edX gegründet, der inzwischen die Berkeley-University beigetreten ist. Sebastian Thrun hat nach den ersten Online-Vorlesungen an der Stanford-Universität im Jahr 2011 inzwischen das Unternehmen Udacity gegründet, gemeinsam mit Mike Sokolsky und David Stavens. In Großbritannien hat sich Futurelearn schon etabliert.

Wettbewerb soll Professoren ermuntern
Gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft startet Iversity an diesem Montag einen Wettbewerb, um Professoren zu ermuntern, Vorlesungskonzepte für die Online-Universität auszuarbeiten. Finanzieren will Riecke seine Lernplattform künftig mit Examensgebühren, Lizenzen für die Universitäten und Instrumenten für Unternehmen, um die besten Studenten für jedes Fachgebiet zu ermitteln. Erfahrung mit dem Aufbau und Betrieb großer Plattformen bringt Riecke aus seinen Tätigkeiten für Ebay, Monster und StudiVZ zur Genüge mit.

Quelle: http://www.focus.de/digital/internet/netzoekonomie-blog/online-vorlesungen-iversity-will-europas-fuehrende-mooc-plattform-werden_aid_936543.html

Michael May

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