Unternehmen im Dauerstress Teil 2

Nachdem ich in Teil 1 auf die wesentlichen Trends eingegangen bin (wozu noch viel mehr hätte gesagt werden können), möchte ich Ihnen eine Frage stellen:

Stellen Finanzierungen von Unternehmen durch Banken für letztere zukünftig

a) nur ein geringes Risiko dar?

b) ein Risiko vergleichbar mit der Finanzierung von Staaten (Staatsanleihen)?

c) hoch riskante Investments dar?

Sicher sind Sie auch auf die richtige Antwort c gekommen: Finanzierungen von Unternehmen sind für Banken zukünftig hoch riskant. Der Grund ist ganz einfach: Im Rahmen von Basel III müssen Kreditinstitute zukünftig je nach Risikoklasse wesentlich mehr Eigenkapital hinterlegen als bisher. Bemerkenswert ist, dass trotz der Diskussionen um Griechenland und Co für Kredite an Staaten kein einziger Euro als Eigenkapital durch Banken angesetzt werden muss (Null-Gewichtung).

Was bedeutet das für Unternehmen: Sie werden zukünftig schlechter und zu wesentlich höheren Zinsen an Finanzierungsmittel gelangen als bisher. Viele Unternehmer wissen auch nicht, dass die Möglichkeit von Zinsfestschreibungen für Darlehen eingeschränkt wird. Die Aufnahme von mittel- oder langfristigen Darlehen zu einem jederzeit veränderlichen Zinssatz erschwert die Planung des Unternehmens aber deutlich. Wenn Banken Kredite an Unternehmen als hoch riskante Investments ansehen, dann steigt die Gefahr für Unternehmen deutlich, in die Krise zu geraten. Aber es gibt viele weitere Faktoren, die Krisen auslösen können.

Welche Arten von Unternehmenskrisen sind grundsätzlich zu unterscheiden:

1. Die Strategiekrise
2. Die Erfolgskrise
3. Die Liquiditätskrise
4. Die Insolvenz

Eine kaum mehr beherrschbare Unternehmenskrise steht somit am Ende einer langen Kette von Fehlentscheidungen, die jede für sich unbedeutend gewesen sein mag. Untersuchungen haben gezeigt, dass Insolvenzen zu ca. 90 Prozent aus vorherigen Strategie- und Erfolgskrisen entstanden sind. Der Samen des Untergangs wurde oftmals etliche Jahre früher gepflanzt.

Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit habe ich hunderte von Business Plänen bewertet, Unternehmensentwicklungen begleitet und ungezählte Gespräche mit erfolgreichen Unternehmern geführt. Es zeigte sich, dass die Ursachen für die meisten Unternehmenskrisen Ähnlichkeiten aufwiesen:

1. Berichtssysteme existieren nur formal und werden eher als notwendiges Übel betrachtet (etwa Zertifizierungen zur Vermeidung des ‚Saure-Gurken-Problems‘).

2. Es herrscht oft Ad-hoc-Top-down-Planung. Das Management befiehlt und z.b. jährliche Planungsgespräche mit den Führungskräften oder gemeinsame SWOT-Analysen werden vom Management als überflüssig empfunden.

3. Das Unternehmen kämpft schon etliche Jahre mit Ertrags-, Finanzierungs- und Liquiditätsproblemen. „Schuld“ ist immer der Markt, die Bank, der Wettbewerb oder schlechte Mitarbeiter. Die wirtschaftliche Lage wird „geschönt“. Das ist menschlich verständlich, aber nicht selten tödlich für Unternehmen.

4. Die guten Führungskräfte machen Dienst nach Vorschrift oder haben das Unternehmen verlassen.

5. Reklamationen werden nicht als große Chance zur Qualitätsverbesserung gesehen, sondern lediglich hingenommen.

Die Art und Weise der Kommunikation und der Führungsstil wirken stark auf das Wohl und Wehe von Unternehmen ein.

Ende Teil 2

Michael May

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