Leverage versus Eigenkapital

Absatz als oberstes Kriterium: In Boomzeiten wird gern mit dem Kredithebel (Leverage-Effekt) gearbeitet, geht der Investor doch davon aus, dass die Gesamtkapitalrentabilität der getätigten Investition den Fremdkapitalzinssatz übersteigt. Grundlegende Voraussetzung für ein solches Szenario ist aber, dass sowohl die Preis- und Mengenziele beim Absatz erreicht werden.

Jedoch deutet alles auf ein sich eintrübendes wirtschaftliches Umfeld hin. Neue Automobile etwa werden derzeit selbst in der Oberklasse nur noch mit größeren Rabatten in Deutschland an den Mann/die Frau gebracht. Eine Rezession ist nicht mehr auszuschließen.

Kredite und Zinsfestschreibungen werden knapp: Hinzu kommen ab 2013 die Bestimmungen nach Basel III. Den meisten Unternehmen des Mittelstands ist aber gar nicht bewusst, dass diese neuen Regelungen zum massiven Schrumpfen gerade der so wichtigen mittel- und langfristigen Zinsfestschreibungen für Kredite (ab ca. 4 bis ca. 15 Jahre) führen werden. Unternehmen müssen sich zukünftig auf Kreditverträge mit variablen Zinssätzen einrichten und sind somit den Unwägbarkeiten des Finanzmarktes ausgesetzt, da es kaum noch Planungssicherheit gibt.

Auch werden Kreditinstitute zukünftig noch sparsamer mit Krediten an Unternehmen umgehen und gleichzeitig höhere Anforderungen an deren Eigenkapital-Ausstattung stellen. Durch höhere Unterlegung von Kundenkrediten durch bankeigenes Eigenkapital (Stichwort: Leverage Ratio) bleiben Kredite an KMU für Banken hoch riskant und könnten knapp werden. Keine schönen Aussichten.

Höheres Eigenkapital erforderlich: Nur ungefähr ein Drittel der deutschen Unternehmen verfügt über Eigenkapital von mehr als 30% der Bilanzsumme. Diese Zahl macht klar, dass dringender Handlungsbedarf zur Aufstockung des Eigenkapitals geboten ist.  Für Unternehmen mit eher mittelmäßigem Rating kann dies sogar überlebenswichtig sein, um überhaupt noch an Kredite und Liquidität zu gelangen. Aber auch Unternehmen mit gutem Rating sollten überlegen, ob sie nicht jetzt bei einem noch sehr niedrigen Zinsniveau – und dieses über viele Jahre festgeschrieben – investieren. Für zusätzliche neue Maschinen, welche die Kapazität des Unternehmens erweitern sind dabei die Eingangsäußerungen zu beachten und die konkrete Investitionsrechnung (egal ob statisch oder dynamisch) auf den Absatz hin zu prüfen.

Für fast alle Unternehmen gilt es daher in den nächsten Jahren – und dies mit hoher Priorität – unbedingt die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Hierbei können wir die Unternehmen maßgeblich unterstützen.

Michael May


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