Lebenslang

Mein erstes Buch kommt auf den Markt. Es wendet sich an alle Menschen, die ihr Leben ändern wollen oder müssen. Dieses kleine Projekt hat mir viel Freude gemacht und speist sich aus der Erfahrung von Jahrzehnten in Beruf und Privatleben. Eine Leseprobe habe ich unten angefügt.

Michael May

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LEBENsLANG-Leseprobe

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Transhumanismus – Humanistisch oder Techno-Cocooning?

Kennen Sie die Borg? Das ist jene Spezies im Startrek-Universum, deren Mitglieder alle geistig miteinander verbunden sind und die durch Implantate und Technologien im und am Körper „verbessert“ wurden. Die Borg wollen alle anderen Spezies des Universums mittels Technologie in Borg transformieren und bekriegen diese massiv. Ihr Wahlspruch lautet: „Wir sind die Borg. Widerstand ist zwecklos!“

Was haben die Borg mit Transhumanismus zu tun? Letzterer sieht Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen als Übergang zu einer Art Überwesen an. Menschen werden als beliebig formbares und eher minderwertiges Material  angesehen. Transhumanisten glauben in fast religiös anmutender Weise, dass neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse quasi automatisch nur Fortschritt bringen.

Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich fände ich beispielsweise Mittel gegen Demenz und alle sonstigen Krankheiten gut. Oder Wege, das Leben ein wenig zu verlängern. Es geht daher nicht um Ablehnung des technologischen Fortschritts, sondern um Bewertung des Nutzens, aber auch der Gefahren neuer Technologien. Eine Selbstverständlichkeit wie ich meine. In diesen neuen Technologien steckt die Kraft – im Guten wie im Bösen – einzelne Menschen und ganze Gesellschaften möglicherweise radikal zu verändern.

Wer sind die Treiber und Lobbyisten des Transhumanismus? Es ist nicht erstaunlich, dass diese Geldgeber – von viel Geld – Konzerne aller Art sind. Sie wittern jede Menge neue Geschäftsmodelle und noch mehr Geld. Der Mensch selbst ist ihnen, vermute ich, im Grunde egal, auch wenn sie dies ad nauseam vehement bestreiten würden. Er ist  nur Ressource und wird auch noch abhängig gemacht. Implantate, Medikamente, genetische Veränderungen und „neue“ Lebensmittel etwa sichern diese Abhängigkeiten und kreieren damit die perfekte Cash-Cow. Ein riesiger neuer Markt entsteht gerade, den viele Konzerne mit aller Macht erschließen wollen und wohl auch werden.

Daher sollte unbedingt eine öffentliche Diskussion über Nutzen und Gefahren des Transhumanismus geführt werden. Führen diese vielen transhumanistischen Produkte, welche die Menschen zukünftig immer dichter und quasi untrennbar begleiten werden, zur Fortentwicklung des Menschen und der Gesellschaft oder im Gegenteil zur Degeneration?  Ich befürchte: Zu Letzterem.

Bequemlichkeit, Lifestyle, und Komfort der neuen Technologien verhindern ein wesentliches Element der persönlichen Entwicklung: Das Verlassen der Komfortzone. Unangenehmes und Anstrengendes wird im Gegenteil gemieden. Viele sichtbare und unsichtbare Helferlein unterstützen den Nutzer oder die Nutzerin bei deren Vermeidung.

Entwicklung setzt immer die Bereitschaft für Unbequemes, Belastung, Nachdenken und Schärfung der eigenen ungetrübten Wahrnehmung voraus. Transhumanisten können so etwas nicht gebrauchen, denn das würde ihr Geschäft beeinträchtigen. Sie wollen den Kunden einlullen und ihn glauben machen, nur ihre Technologie würde ihn voran bringen.

Sie schaffen bewusst ein Techno-Cocooning.

Keine Blase, sondern einen immer dichter werdender Kokon aus all den vielen kleinen, schönen neuen Produkten und Anwendungen, von denen der Mensch sich irgendwann nicht mehr befreien kann, weil er diese wie ein Werkzeug, etwa einen Hammer, nicht einfach beiseite legen kann.  Er ist mit diesen lebenslang verbunden und abhängig: Der perfekte Konsument! Der Traum eines jeden Konzerns.

Führen wir keine ernsthafte Debatten über den Transhumanismus, seine Ziele und Probleme, sondern bejubeln sogar gedankenlos dessen immer neuen Fortschritte, dann könnte irgendwann der Point of no Return auftauchen, ab dem es heißt:

Widerstand ist zwecklos!

Michael May

 

 

 

 

 

 

 

Wer arbeitet darf auch feiern

Hendrik Hey, der Macher und Inhaber von „Welt der Wunder“ (Wissenssendung im TV und Printmedium) hat mit etwa 500 Gästen im Freiheiz München gefeiert. Nette Menschen, tolle Gespräche und ein schickes Ambiente. Ein wunderbarer Abend, der mir wirklich gefallen hat.

Er hat vor etwa drei Jahren seinen gleichnamigen Sender gegründet und noch viel vor. Neue Formate, interessante Projekte  und viele gute Ideen sind auf dem Weg, verwirklicht zu werden. Ich freue mich darauf.

Michael May

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Das Ende des Wachstums?

Zugegeben: Das ist sicher eine markige Ansage, die es zu belegen gilt. Dafür gibt es nicht den „einen“ Beweis, sondern eine Kette von Indizien.

Die letzten 100 Jahre

Das Wachstum der letzten 100 Jahre in der westlichen Welt ist hauptsächlich einem einzigen Faktor zu verdanken, den es in der Geschichte der Menschheit noch nie gab: Die weltweite Bevölkerung von etwa zwei Milliarden Menschen um das Jahr 1920 wird in naher Zukunft auf acht Milliarden Menschen ansteigen. Natürlich spielen auch neue Technologien eine Rolle. Für Wachstum ist jedoch die Zahl der kaufkräftigen Konsumenten entscheidend. Je mehr davon, umso besser.

Hauptsächlich in Afrika und Teilen Asiens wird die Weltbevölkerung weiter wachsen. Aber alle „reifen“ Gesellschaften wie diejenigen Europas verlieren auf Grund des Ergrauens ihrer Bevölkerung diesen Vorteil. Der Anteil der dort nicht mehr produktiv Aktiven steigt massiv. Die Erwerbstätigen der letzten 3 – 4 Generationen hielten durch ihre Arbeit, ihr Einkommen und ihren Konsum den vergangenen Wirtschaftsboom aufrecht. „Aus sich heraus“, also ohne globale Vernetzung, können reife Volkswirtschaften nicht wachsen, sondern schrumpfen eher. Aus diesem Grund wurden im Rahmen der Globalisierung Osteuropa und Asien, insbesondere China, zu begehrten Absatzmärkten. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der entwickelten Volkswirtschaften schwächt sich dennoch stetig ab.

Wie ist die Lage?

Schon jetzt sind Unternehmen zu ständigen Produktinnovationen gezwungen, weil ein harter Wettbewerb herrscht und die Grundbedürfnisse der Konsumenten längst gedeckt sind. Die voll entwickelten Volkswirtschaften arbeiten somit nahe an Sättigungsschwellen. Das führt dann zu letztlich logischen, aber unsinnigen Lösungen wie dem luftdichten Verpacken von 100 Gramm/wenigen Scheiben Wurst. Eine winzige Menge für den schnellen Verzehr, während das Plastik der Verpackung die Umwelt langfristig belastet. Es gibt Stimmen, die behaupten, der in den Weltmeeren angesammelte Plastikmüll würde bald die Menge der dortigen Biomasse (Fische, Pflanzen etc) erreichen. Im Grunde ist dies ein Akt der Selbstsabotage oder gar Selbstzerstörung der Menschheit.

Laut einer gemeinsamen Studie der Universität Mexiko mit der Stanford University aus den USA steht das 6. Massenaussterben der irdischen Lebewesen bevor. In den letzten 40 Jahren seien, so die Forscher, etwa die Hälfte der Tierwelt auf der Erde vom Menschen ausgerottet worden. Möglicherweise entzieht sich die Menschheit durch kollektive Dummheit gerade selbst die Lebensgrundlage.

Guter oder schlechter Kapitalismus?

Ich sehe den Kapitalismus grundsätzlich positiv, denn nur diesem haben wir alle unser bisheriges angenehmes Leben und Wohlstand zu verdanken. Überproduktion, Fehlallokation, Umweltverschmutzung, Artensterben und auch die ungleiche Verteilung des weltweiten Reichtums stehen jedoch für die negativen Folgen eines ungehemmten Kapitalismus. Derzeit wird dieser hauptsächlich durch die niedrigsten Zinsen aller Zeiten am Leben erhalten. Die massive Flutung der Märkte mit Zentralbankgeld hat aber nicht zu weiteren Investitionen geführt, sondern lediglich die Schulden sind gestiegen. Diese säkulare Stagnation  https://mayconsult.wordpress.com/2014/08/21/das-grose-experiment/   dürfte viele Jahre weiter anhalten, denn sowohl Private als auch Staaten verkraften höhere Zinsen nicht mehr.

Wir – mündige Bürger, kluge Kaufleute und verantwortungsvolle Politiker -sollten uns daher unbedingt Gedanken über neue Wege machen. Die Zeiten des Wachstums gehen trotz oder gerade wegen der neuen Technologien, die bezahlte Arbeitsplätze in der Summe verdrängen, zu Ende.  Auch staatliche Interventionen oder Subventionen bringen keine langfristigen Erfolge mehr hervor, sondern erhöhen nur die staatliche Verschuldung. Diese wiederum führt unweigerlich dazu, dass der Staat seinen Bürgern tiefer in die finanziellen Taschen greift.

In alternden und reifen Gesellschaften dürfte auch Gründer- und Unternehmertum aus Selbstmotivation deutlich abnehmen. Die Zahl der privaten und unternehmerischen Steuerzahler düfte daher tendenziell sinken und die Sozialsysteme bedrohen.

Der Wandel kommt. Schaffen unsere Gesellschaften dies auf einem evolutionären Weg oder nur durch eine ungesteuerte, zerstörerische Revolution, die viel Unheil in sich bergen düfte, Ausgang unbekannt?

Demokratie funktioniert nur, wenn Vertrauen in diese und deren Institutionen besteht. Geht dieses Vertrauen verloren, dürfte dies für die innere Verfasstheit und Stabilität demokratischer Staaten dramatisch schlechte Auswirkungen nach sich ziehen.

Fangen wir mit dem Nachdenken und Ausprobieren neuer Wege an.

Michael May

(wird fortgesetzt)

Auf zu neuen Ufern (warum dieser Blog einen neuen Namen bekommt)

Nach einem privat und beruflich intensiven Jahr wird dieser Blog wieder aufgenommen. Gleichzeitig werden die Themen erweitert, denn die Lebens- und Arbeitswelt verändert sich aktuell drastisch. Daher bekommt dieser Blog auch einen neuen Namen. Aus der eher monothematischen „Finanzierung im Mittelstand“ wird „zukunfthochzwei“.

Mittlerweile ist mein neues Buch fertig und geht in Druck. Darin geht es nicht um das Thema Finanzen, sondern um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Mit Frank Koschnitzke, genannt Koschi der Mutmacher, konnte ich einen hervorragenden Mitautor gewinnen, dessen Erfahrungen und Können eingeflossen sind. Anbei ein kleiner Ausschnitt des Titelbildes.  Der Name des Buchs wird Programm sein.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Verstärkt werde ich mich mit Themen wie der Zukunft der Arbeit und der persönlichen Fortentwicklung auseinandersetzen. Ebenso damit, wie neue Technologien unser Leben verändern werden. Ich habe dazu extra einen neuen Begriff kreiert, der diesen Veränderungen Rechnung trägt. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.

Dieser Blog wird sich nun auch Gastbeiträgen öffnen. Wer Interesse hat schickt eine Mail an info@mayconsult.org .  Übrigens: Ich antworte gern, aber sicher nicht immer am gleichen Tag. Gern verlinke ich auch thematisch passende Blogs und freue mich natürlich  über die Verlinkung von zukunfthochzwei,

Ihr/Euer

Michael May

 

 

Matched Practice

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Ihn beschäftigte die Frage, wie er sein Unternehmen in Zeiten engerer Margen und neuer Technologien „wetterfester“ machen kann.

Die Beantwortung dieser Frage wird mit Blick auf technologische Megatrends drängender, wie  eine brandaktuelle Untersuchung aufzeigt, deren Ergebnisse in  der Wirtschaftswoche veröffentlich wurden. So rechnet  Willi Diez vom Institut für Automobilforschung damit, dass jeder dritte Automobilzulieferer in den nächsten 5 bis 8 Jahren vom Markt verschwindet.  Viele Zulieferer hätten die Aufgabe zwar erkannt, aber keine Veränderungen eingeleitet.

Ich empfahl dem Geschäftsführer, sich mit der aktuellen Strategie und gleichzeitig Kultur seines Unternehmens auseinanderzusetzen, da beide Faktoren eng verbunden sind. Notwendige Veränderungen bedürfen immer einer entsprechenden Kultur. Ich nenne das „Matched Practice„, die zum Überleben von Unternehmen immer wichtiger wird.  Was ist unter „Matched Practice“ zu verstehen?

Viele Unternehmer und Manager diskutieren über “Best Practice” und deren Anwendung in ihrem Unternehmen. Best Practice bedeutet übersetzt Erfolgsmethode und bezeichnet bewährte, vorbildliche Methoden, Praktiken oder Usancen, die in Unternehmen gelten.

Abgeleitet ist die Erfolgsmethode vom “Deutsche Corporate Governance Kodex” (abgekürzt DCGK). Nach der Definition in Wikipedia ist dieser Kodex ein von einer Regierungskommission der Bundesrepublik Deutschland erarbeitetes Regelwerk, das vor allem Vorschläge enthält, was eine gute Unternehmensführung, also ethische Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Führungen von Unternehmen und Organisationen, ausmacht.

Es wird vom DCGK unterstellt, dass ethisches Verhalten aller Beteiligten gleichzeitig eine erfolgreiche und gute Unternehmensentwicklung sozusagen garantiert. Wer sich mit Verhandlungsstrategien und -taktiken befasst, dem wird das aber ein wenig blauäugig erscheinen. Hinzu kommt: Was passiert, wenn ein Unternehmen eine falsche Strategie nach “Best Practice” umsetzt? Dann könnte das Unternehmen dennoch in große Schwierigkeiten geraten.

Wie aber kann gute, erfolgreiche und auch ethische Führung in Unternehmen erfolgen? Es gibt vier Arbeitsbereiche, in denen gute Unternehmensführung praktiziert wird:

1. Unternehmenskultur – die gelebten Werte und der Umgang miteinander als Grundlage
2. Unternehmensstrategie – die langfristige Ausrichtung und geplanten Verhaltensweisen des Unternehmens
3. Unternehmensstruktur – organisatorischer Aufbau
4. Unternehmenspolitik – die Summe der Maßnahmen, die ein Bild von der Zukunft entstehen lassen

Die meisten Hochglanzbroschüren versprechen daher Dinge, die sie nicht einhalten. Gerade weltweit agierende Unternehmen nutzen auf Grund ihrer Marktmacht manchmal weniger ethische Methoden, da diese mehr Ertrag versprechen. Diese Unternehmen werden straff geführt und die Mitarbeiter haben oft hohe Zielvorgaben zu erfüllen. Dann ist Arbeitnehmern zu deren Erreichung das materielle Hemd oft näher als die ethische Hose.

Durch das Diesel-Desaster in den USA steckt der VW-Konzern aktuell in großen Schwierigkeiten. Schätzungen zu den entstehenden finanziellen Schäden liegen zwischen 15 bis 60 Milliarden Euro.

Was ich nicht verstehe ist der Einsatz der Software. Jeder Manager, der die rigiden US-Behörden kennt, der weiss,  dass diese Behörden sehr rabiat vorgehen und massiver Schaden entstehen kann. Auch verfügt VW mit Sicherheit über eine eigene Compliance-Abteilung, welche auf die Einhaltung aller Regeln achten muss. Es dürfte daher etwas mit der Unternehmenskultur nicht gestimmt haben.

Daher ist eine auf das eigene Unternehmen angepasste “Matched Practice” sinnvoll. Deren Fundament beginnt bei der gelebten Unternehmenskultur und beinhaltet so einfache, aber wirksame Maßnahmen wie einvernehmlich verabschiedete Spielregeln, an die sich alle Beteiligten halten. Wie wird im Unternehmen kommuniziert? Nutzt das Unternehmen das ganze vorhandene Wissen seiner Mitarbeiter aus? Wo liegen Hindernisse für eine gedeihliche Unternehmensentwicklung? Welche Schritte muss das Unternehmen einleiten, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten? Zumeist sind es viele kleine Schritte, die zum Erfolg führen, die aber identifiziert und zusammengeführt werden müssen.

Die Unternehmen, denen es gelingt, die vier genannten Arbeitsbereiche gut miteinander zu verbinden werden die Zukunft bewältigen.

Michael May

 

 

 

Wer, wenn nicht wir?

Dem jungen Max Planck wurde geraten, sich nicht weiter mit der Physik zu befassen, denn „schließlich sei schon fast alles entdeckt“. Doch er wurde der Begründer der Quantentheorie und Albert Einstein schließlich zertrümmerte mit seinen revolutionären Erkenntnissen die alte Physik vollends. Ohne ihn gäbe es kein GPS, keine Raumfahrt und keine Atombombe.

Menschen sitzen in unterirdischen Räumen vor Bildschirmen und tauschen über eine Art Skype Small Talk aus , was sie „Ideen“ nennen. Diese Menschen  sind mit Tausenden von „Bekannten“in der Welt verbunden. Ein alter Hut mögen Sie sagen. Doch E.M. Forsters Werk „The Machine Stops“ erschien bereits 1909, also vor über 100 Jahren.

Aktuell beherrschen wenige große, technisch getriebene Unternehmen aus den USA die digitale Welt. Sie umarmen ihre Nutzer freundlich, aber immer fester. Der Slogan „Don’t be evil“ eines dieser großen Provider könnte ein Irrtum sein. Aber auch eine bewusste Täuschung, um die Nutzer in trügerischer Ruhe zu wissen. Die Suchanfragen werden vor allen Dingen dazu genutzt, die eigenen Algorithmen besser, schneller und schließlich schlauer zu machen. So meint Ray Kurzweil, der für dieses Unternehmen zur Künstlichen Intelligenz forscht: „2045 wird der Punkt der ‚Singularität‘ erreicht: Die Rechenleistung aller Computer zieht gleich mit der aller menschlichen Gehirne„. Das kann man auch als klare Kampfansage sehen.

Diese Unternehmen sind auf einer Mission. Der Eigenen. Sie wollen die Welt nach ihrem Bild prägen. Sie maßen sich an, die Zukunft der Menschen nach ihrer Vorstellung zu gestalten, ob diese wollen oder nicht. Als Unternehmer kann ich das durchaus nachvollziehen. Das ist die ultimative Kundenbindung. Diese Mission blendet den wichtigsten Bestandteil einer Demokratie aber bewusst aus, da er stört: Den Citoyen, den Bürger, der im Geist der Aufklärung an der Gesellschaft teilhat und diese mitgestaltet. Uns.

Mittlerweile versuchen immer mehr Konzerne, aber auch mittelständische Unternehmen sich ein Bild von einer möglichen Zukunft zu machen. Dabei haben die Verantwortlichen festgestellt, dass ihre Phantasie und Vorstellungskraft oft nicht ausreicht. Selbstfahrende Autos als Fortschreibung des Fahrzeugverkehrs sind nun nicht wirklich prickelnd.

Daher greifen viele Unternehmen verstärkt auf die Visionen und Vorstellung von Science-Fiction Autoren zurück, die schon die verrücktesten Sachen erdacht und niedergeschrieben haben: Zombies durch genetische Veränderungen. Künstliche Intelligenzen und Roboter, die die Menschen beherrschen. Menschen als Nahrungsquelle für andere Menschen. Autoritäre Systeme, in denen die Bevölkerung durch Drogen, Brot, Spiele und massive Gewaltanwendung ruhig gehalten wird. Vor hundert Jahren hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass wir nun über Waffen verfügen, von denen allein eine Einzige eine Großstadt vollständig vernichten kann.

Hier eine sehr kleine Auswahl interessanter Filme, die Unternehmen auswerten:

Terminator – Eine Künstliche Intelligenz (Skynet) will mittels Robotern die Welt übernehmen und die Menschheit ausrotten

Das Ding aus einer anderen Welt – Gefährliche parasitäre Intelligenzen bedrohen die Menschheit

Phase IV – Intelligente Ameisen machen dem Menschen die Erdherrschaft streitig

Jurassic Park – Genetische Eingriffe geraten außer Kontrolle

Blade Runner – Denkende, mit Gefühlen ausgestattete Cyborgs sind menschlicher als Menschen

Brazil – Totale Technisierung und Bürokratisierung

Idiocracy – Gesellschaftliche Degeneration

Andromeda – Tödlicher Staub bedroht die menschliche Zivilisation

Die Truman Show – Perverse Freizeitgestaltung und TV-Gesellschaften

1984, Equilibrium, Schöne Neue Welt – Gesellschaftlicher Verfall und totale Unterdrückung der Bevölkerung

Soylent Green – Menschen werden zu Nahrung verarbeitet

In nahezu all diesen erdachten Visionen existiert kein Recht mehr, keine Demokratie, sondern es werden autoritäre und totalitäre Staaten und Megakonzerne oder anarchische, kriegerische Welten beschrieben, wo das Recht des Stärkeren gilt. Der Übermensch findet in Superman sein Pendant und bei Star Trek oder Das 5. Element hingegen überwiegt der Glaube an das Gute. Die positiven Szenarien befinden sich eindeutig in der Minderheit.

Unsere Technologien sind in den letzten 100 Jahren unglaublich mächtig geworden und eine Technologieabschätzung scheint wichtiger denn je, da nunmehr mächtige Eingriffe unumkehrbar wirken können. Diese Diskussionen werden aber kaum geführt.

Wenn man sich mit den Forschungen von Anthropologen wie Jared Diamond und Marvin Harris befasst erkennt man, wie fragil unsere Gesellschaften wirklich sind. Es gibt keinen sicheren Grund. Alle Kulturen werden geboren, steigen auf, erleben ihren Höhepunkt und verfallen dann entweder schlagartig oder allmählich. Sumerer, Griechen, Römer, Maya, Azteken, Inka, Mongolen oder Khmer: Ihre großen Zeiten sind Geschichte.

Sofern wir unsere Zukunft selbst gestalten und sie nicht den Visionen anderer ausliefern wollen, dann müssen wir mitdiskutieren, unsere Rechte und Pflichten als Citoyen wahrnehmen. Nur so werden wir die Demokratie und freie Marktwirtschaft erhalten können. Jede andere Alternative scheint mir der Weg in eine unangenehme Welt zu sein, denn ich möchte weder von Megakonzernen noch übermächtigen Regierungen kontrolliert und regiert werden.

Michael May