Social Media, Prozessorientierung und “Kleine Fluchten”
Januar 17th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar
Fortschritt: Seit mehreren Jahren befasse ich mich intensiv mit Social Media und dem Internet als Vertriebsplattform. Das Internet ist heute fast ein alter Hut (obwohl erst ca. 20 Jahre alt), während Social Media eigentlich eher als eine große Spielwiese wahrgenommen werden. Jedoch sind viele der größten Erfindungen der Menschheit dem Spieltrieb zu verdanken. Derzeit erleben wir eine Revolution, deren Implikationen sich noch massiv zeigen werden. Google, Amazon und viele Webshops sind allgemein aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken und die Verlierer dieser Revolution bleiben am Leben, müssen sich aber neue Erwerbsquellen erschließen.
Produktivität: Vergessen wird dabei oftmals, dass Revolutionen immer bisher Feststehendes wegfegen und durch Neues ersetzen. Das muss nicht besser sein, ist aber auf jeden Fall anders. Die Presse beispielsweise merkt das an sinkenden Auflagen, der Buchhandel ist durch das ebook unter Druck, Webinare könnten teilweise das Geschäft der Fortbildungseinrichtungen beeinträchtigen, Visitenkarten und mehr kann man einfach im Internet generieren sowie drucken lassen und der Zwischenhandel wird teilweise ausgeschaltet. Standardisierte Prozessabläufe werden ungeahnte Produktivitätsfortschritte ermöglichen und letztlich weniger Fachkräfte benötigen.
Gegentrends: Jeder Trend erzeugt in der Regel – in geringerem Maße – eine gegenläufige Entwicklung. Neben möglichen negativen gesellschaftlichen Auswirkungen dürfte der Trend “Zurück zur Natur” weiter an Bedeutung gewinnen. Inzwischen wandern sogar junge Menschen mit zunehmender Begeisterung und die Outdoor-Branche boomt ungebrochen. Ich halte es auch für vorstellbar, dass es zumindest in Großstädten zukünftig verstärkt Gaststätten/Einrichtungen gibt, die z.B. als Debattier- und Raucherclub Menschen eine emotionale und intellektuelle Heimat bieten und unerfüllte Bedürfnisse befriedigen, sozusagen kleine Inseln im immer mehr regulierten öffentlichen und beruflichen Raum. Die “Kleinen Fluchten” aus einem Übermaß an geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen dürften aus meiner Sicht noch viele Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
facebook & co: Daher stehen wir nach meiner Meinung erst am Anfang dieser Revolution, die ganze Berufszweige in Mitleidenschaft ziehen dürfte, während andere sich steil im Aufstieg befinden. Banker werden immer weniger benötigt, während Social-Media-Macher gesucht sind. Auch wer facebook & Co nicht mag sollte sich unbedingt damit beschäftigen. Nur so erkennt man die Gefährdungen für das eigene Geschäftsmodell und erschließt sich möglicherweise ein enormes Potenzial, das es zu nutzen gilt. Nicht dadurch, dass man vielleicht auch irgendwie “drin” ist, sondern auf Basis dieser Plattformen Strategien für das eigene Unternehmen austüftelt.
Entwicklungen: Derzeit arbeiten Versicherungen und Banken an neuen Vertriebswegen sowie -formen und es kommen mit Mikrofinanzierung und Crowdfunding neue und hochinteressante Spielarten der Finanzierung auf den Markt. Plattformen etwa für Privatkredite gibt es schon seit Jahren (z.b. Smava) und die Genossenschaft als Rechtsform dürfte eine neue Blüte erleben. So bedarf die Gründung einer Genossenschaft nur noch mindestens drei Mitglieder. Externe und bezahlbare Ratings für KMU könnten in absehbarer Zeit auf den Markt kommen und die bankinternen Ratings, deren Parameter nicht offen liegen, zumindest ergänzen und KMU damit einen praktischen Mehrwert bieten. Ich finde, wir leben in wahrhaft spannenden Zeiten.
Michael May
Was tun in der Rezession?
Dezember 5th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die neuesten Prognosen deuten auf eine deutliche Abschwächung der deutschen Wirtschaft hin. Einige Marktteilnehmer sehen die nächste Rezession im Anmarsch. Daher ein paar Tipps von mir, die ich schon früher einmal veröffentlicht habe:
1. Cash is King: Eine gute Liquidität hat oberste Priorität. Streichen Sie ggf. auch Investitionen, welche Sie schon lange geplant haben, die sich aber nicht mehr amortisieren könnten. Nicht sinnvoll ist Sparen bei unbedingt notwendigen Instandhaltungsinvestitionen
2. Kostenkürzung: Der Klassiker, allerdings sollte nicht die ‘Rasenmäher-Methode’ angewandt werden (10% auf alles!), sondern alles gekürzt werden, was nicht unbedingt benötigt wird. Es gibt aber eine Kostenposition, die sogar ausgeweitet werden könnte.
3. Der Vertrieb: Dieser wird in schwierigen Zeiten immer wichtiger. Wirklich gutes Vertriebspersonal ist wertvoll, selten und stellt quasi einen immateriellen Vermögenswert dar. Ein Steigern der Vertriebsaufwendungen zu Lasten anderer Kosten ist unter Umständen sinnvoll. Gutes Reklamationsmanagement wird noch wichtiger.
4. Die Preispolitik: Bisher übliche Preise können in Zukunft ggf. nicht mehr durchgesetzt werden, weil nur noch geringe Nachfrage herrscht oder ein allgemeines Sinken des Preisniveaus stattfindet. Gibt es noch Deckungsbeiträge? Welchen Preis akzeptieren die Kunden noch und passen die eigenen Kosten dazu?
5. Prozessüberprüfung: Wie ändert sich die Kapazitätsauslastung im Unternehmen und welche Auswirkungen ergeben sich auf die Prozesse? Ist die Aufbau- und Ablauforganisation noch aktuell? Stellen Sie alle Prozesse auf den Prüfstand. “Das haben wir schon immer so gemacht!” ist tabu!
6. Kommunikation: Alle Maßnahmen wirken nur im Bündel und sind daher sauber mit den Mitarbeiter/innen zu kommunizieren. Alle die mitwirken wollen müssen auch an einem Strang ziehen. Daher ist gerade in schlechten Konjunkturlagen der interne Austausch besonders wichtig. Identifizieren Sie das know-how im Unternehmen, welches unbedingt gehalten werden muss um die Zukunft zu bestehen.
7. Optimismus: Auch wenn man auf die “Großwetterlage” keinen Einfluss hat ist optimistisches Denken trotz allem entschlossenen Handeln unbedingt erforderlich. Schließlich sollen die Zeiten ja auch wieder einmal besser werden.
Michael May
Bewertung von Sicherheiten durch die Bank
Dezember 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die meisten Unternehmer wissen noch nicht, dass die neuen Regelungen der Bankenaufsicht zu Basel III auch Auswirkungen auf die gestellten oder noch zu stellenden Sicherheiten haben werden. Die Kreditinstitute werden zukünftig vermehrt auf die Stärkung der bisherigen bzw. Gestellung zusätzlicher Sicherheiten drängen.
Den Kreditinstituten kann dabei ausdrücklich kein Vorwurf gemacht werden, da sie letztlich nur alle gebotenen Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer internen Relationen und Eigenkapitalunterlegungen nutzen. Allerdings ist bemerkenswert, dass viele Unternehmen oftmals den von der Bank angenommenen Sicherungswert der vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Sicherheiten nicht kennen. Sei dies, weil die Bank die internen Sicherheitsansätze nicht offen legt oder weil das Unternehmen einfach nicht gefragt hat.
Die Frage der Bewertung der Sicherheiten gewinnt damit nicht nur für Banken, sondern auch für Kredite benötigende Unternehmen immer mehr an Bedeutung. So gehen Unternehmen oftmals leichtfertig etwa mit der ‘Abtretung von Forderungen’ um ohne sich bewusst zu sein, dass hinter dieser vordergründig rechtlichen Frage zuerst strategische Aufgabenstellungen zu beantworten sind. Schon die betriebliche Liquidität kann durch eine falsche Entscheidung negativ beeinflusst werden.
Das Thema ‘Bewertung von Sicherheiten’ wird bisher recht wenig öffentlich diskutiert. Daher wird sich dieser Blog zukünftig öfters mit unterschiedlichen Fragestellungen zur Sicherheitenbewertung auseinandersetzen. Dies sowohl aus Sicht der Banken als auch der Kreditnehmer.
Michael May
Leverage versus Eigenkapital
November 30th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Absatz als oberstes Kriterium: In Boomzeiten wird gern mit dem Kredithebel (Leverage-Effekt) gearbeitet, geht der Investor doch davon aus, dass die Gesamtkapitalrentabilität der getätigten Investition den Fremdkapitalzinssatz übersteigt. Grundlegende Voraussetzung für ein solches Szenario ist aber, dass sowohl die Preis- und Mengenziele beim Absatz erreicht werden.
Jedoch deutet alles auf ein sich eintrübendes wirtschaftliches Umfeld hin. Neue Automobile etwa werden derzeit selbst in der Oberklasse nur noch mit größeren Rabatten in Deutschland an den Mann/die Frau gebracht. Eine Rezession ist nicht mehr auszuschließen.
Kredite und Zinsfestschreibungen werden knapp: Hinzu kommen ab 2013 die Bestimmungen nach Basel III. Den meisten Unternehmen des Mittelstands ist aber gar nicht bewusst, dass diese neuen Regelungen zum massiven Schrumpfen gerade der so wichtigen mittel- und langfristigen Zinsfestschreibungen für Kredite (ab ca. 4 bis ca. 15 Jahre) führen werden. Unternehmen müssen sich zukünftig auf Kreditverträge mit variablen Zinssätzen einrichten und sind somit den Unwägbarkeiten des Finanzmarktes ausgesetzt, da es kaum noch Planungssicherheit gibt.
Auch werden Kreditinstitute zukünftig noch sparsamer mit Krediten an Unternehmen umgehen und gleichzeitig höhere Anforderungen an deren Eigenkapital-Ausstattung stellen. Durch höhere Unterlegung von Kundenkrediten durch bankeigenes Eigenkapital (Stichwort: Leverage Ratio) bleiben Kredite an KMU für Banken hoch riskant und könnten knapp werden. Keine schönen Aussichten.
Höheres Eigenkapital erforderlich: Nur ungefähr ein Drittel der deutschen Unternehmen verfügt über Eigenkapital von mehr als 30% der Bilanzsumme. Diese Zahl macht klar, dass dringender Handlungsbedarf zur Aufstockung des Eigenkapitals geboten ist. Für Unternehmen mit eher mittelmäßigem Rating kann dies sogar überlebenswichtig sein, um überhaupt noch an Kredite und Liquidität zu gelangen. Aber auch Unternehmen mit gutem Rating sollten überlegen, ob sie nicht jetzt bei einem noch sehr niedrigen Zinsniveau – und dieses über viele Jahre festgeschrieben – investieren. Für zusätzliche neue Maschinen, welche die Kapazität des Unternehmens erweitern sind dabei die Eingangsäußerungen zu beachten und die konkrete Investitionsrechnung (egal ob statisch oder dynamisch) auf den Absatz hin zu prüfen.
Für fast alle Unternehmen gilt es daher in den nächsten Jahren – und dies mit hoher Priorität – unbedingt die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Hierbei können wir die Unternehmen maßgeblich unterstützen.
Michael May
Fallstudie zur Führung im Harvard Business Manager
November 23rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
In der Druckausgabe 12/2011 des Magazins ‘Harvard Business Manager’ wird im Forum meine Lösung einer Fallstudie vorgestellt. Der genaue Sachverhalt und die vorgeschlagene Lösung sind aber auch online im HBM zu lesen, weshalb ich den Link hier eingefügt habe
http://www.harvardbusinessmanager.de/meinungen/fallstudie/a-785909-4.html
Die Leiterin einer Bankfiliale muss mit einer tragischen Situation umgehen, ihre eigene Situation klären und natürlich auch die Ziele der Bank erfüllen. Dies führt zu einer ernsthaften Prüfung ihres Leistungsvermögens und der Führungseigenschaften.
Michael May
Braucht der Mittelstand “Compliance”?
November 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Schon bei dem Wort “Compliance” wendet sich mancher Mittelständler mit Grausen ab. Kleinst- und Kleinunternehmen sind eher weniger betroffen. Jedoch sollten sich geschäftsführende Gesellschafter, Aufsichtsräte sowie insbesondere angestellte Geschäftsführer und Manager damit befassen. Es könnte der Bestand des Unternehmens oder die eigene Existenz davon abhängen.
“Wir halten doch alle gesetzlichen Regeln ein!” ist eine allgemein in Unternehmen anzutreffende Meinung zur Compliance. Wenig bekannt ist, dass die für Aktiengesellschaften gesetzlich gültigen Regelungen inzwischen auch bei sonstigen Kapitalgesellschaften weitgehend analog angewandt werden. So verlängern sich die Verjährungsfristen für Vorstände von bisher 5 Jahren auf 10 Jahre (§ 93 Vl AktG). Die Rechtsprechung geht bei Fehlen oder unzureichender Compliance Organisation immer öfter von einem Organisationsverschulden aus.
Sinn und Zweck von Compliance-Regelungen ist die Vermeidung von Risiken, die Sanktionen nach sich ziehen könnten. Genannt seien hier:
1. Ausschluss von öffentlichen/privaten Vergabeverfahren
2. Eintrag ins Gewerbezentralregister
3. Geld- oder Haftstrafen
4. Persönliche Haftung des Geschäftsführers
a) Beweislastumkehr!
b) Zugang zu Unterlagen nach Kündigung?
c) Zahlt die abgeschlossene D & O Versicherung überhaupt?
5. Schadensersatzansprüche Dritter
6. Beschädigung der Reputation
Risiken ergeben sich aus einer Fülle einzuhaltender Gesetze, Regelungen und sonstigen Vorschriften. Stellvertretend genannt seien hier nur das Geldwäschegesetz, Umweltrecht, Steuerrecht, Produkthaftung, Datenschutz, Arbeitnehmerschutzrecht oder Außenwirtschaftsrecht.
Was ist somit zu tun um Ärger aus dem Weg zu gehen?
Darauf gibt es keine Musterantwort, sondern dies ist von der Größe des mittelständischen Unternehmens abhängig. Hier einige grundlegende Hinweise:
Schaffen Sie eine funktionierende Kommunikationsstruktur die sicher stellt, dass alle Informationen schnell an die a) richtigen Stellen gelangen, b) unverzüglich und sauber bewertet werden und c) unverzügliche Reaktionen ermöglicht werden.
Sorgen Sie für ein regelmäßiges und angepasstes Berichtswesen. Dieses Berichtswesen darf nicht nur pro forma existieren, sondern ist ernst zu nehmen.
Passen Sie die Organisation an. Benennen Sie Verantwortliche, die auch mit Durchsetzungsmacht versehen sind.
Die Arbeitswelt wandelt sich drastisch und früher gelebte Werte werden durch den wachsenden Wettbewerb unter Druck gesetzt. Daher wird die Einführung auf das Unternehmen angepasster und individueller Compliance-Regelungen für KMU immer bedeutsamer.
Michael May
Neues Buch zur “Finanzkommunikation”
Oktober 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
In Kürze kommt beim Bank Verlag ein neues Buch zum Zukunftsthema “Finanzkommunikation” auf den Markt. Dieses richtet sich an die Geschäftsführungen und Führungskräfte von Unternehmen, Mitarbeiter in Kreditinstituten und alle, die mit Banken verhandeln. Kreditmediation nimmt ebenfalls an Bedeutung zu und wird daher in diesem Buch eingehend beleuchtet. Mein Beitrag befasst sich mit der Frage “Warum Kreditinstitute auf eine gute Finanzkommunikation Wert legen sollten - Steuerung des Adressausfallrisikos”.
Kunden können leicht Preise vergleichen, die Hausbankfunktion gerät unter Druck und der viel beschworene Begriff des “Vertrauens” wird ausgehöhlt. Doch es gibt Wege, dieses Vertrauen und somit dauerhafte Geschäftsbeziehungen wieder zum gegenseitigen Nutzen zu stärken. Aber auch “harte” Fakten kommen nicht zu kurz.
Michael May
KMU und Basel III – Zwei Welten?
Oktober 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Für Unternehmen und Kreditinstitute ändert sich derzeit sehr viel. Die Finanzkrise dauert an und Basel III kommt immer näher. Den meisten Unternehmen ist noch nicht bewusst, wie sich dies auf die zukünftige Finanzierung und den Zugang zu Krediten auswirken wird, Schon jetzt gelangen gute Unternehmen ca. 16 mal besser an Finanzierungen als eher schwache. Nachstehend daher eine kleine Einführung zum Thema (mehr im faktor Magazin, Stichworte: Kreditmediation, Rating, Basel II/III )
1. Kreditinstitute müssen mehr verdienen. Kredite dürften sich verteuern
2. Eine Verknappung langfristiger Darlehen scheint möglich
3. Die Banken werden die Sicherheiten verstärken wollen
4. Leasing/Factoring und andere Kreditgeber werden an Bedeutung gewinnen
5. Die Spreizung der Konditionen nach Bonität nimmt weiter zu
6. Finanzkommunikation zwischen Bank und Kreditnehmer wird daher immer wichtiger
Michael May